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{THEMA}Ehrenmorde

{KAPITEL}Täter

{TEXT}

Wer sind die Täter?

Bei den Tätern handelt es sich um nahe Verwandte - Vater, Bruder, Schwager - die den Mord durchführen.

{ZITAT}

[...] Eines Abends treffen sie sich wieder: meine Eltern, meine große Schwester und Hussein, ihr Mann. Mein Bruder ist nicht im Haus, seine Frau wird bald niederkommen, und er ist bei ihr, bei seinen Schwiegereltern. Voller Angst lausche ich an der Wand. Meine Mutter spricht mit Hussein: "Unseren Sohn können wir nicht fragen, er ist dazu nicht in der Lage, außerdem ist er zu jung."

"Ich kann mich um sie kümmern".

Jetzt meldet sich mein Vater zu Wort: "Wenn du es übernimmst, musst du es so tun, wie es sich gehört. Woran denkst du?"

"Mach dir keine Gedanken, mir fällt schon etwas ein." Und wieder meine Mutter: "Du musst dich um sie kümmern, aber du musst sie ein für allemal loswerden."

Meine Schwester weint und sagt, dass sie so etwas nicht hören und nach Hause will. Hussein bedeutet ihr zu warten, und sagt noch zu meinen Eltern: "Ihr geht weg. Geht aus dem Haus, ihr solltet nicht da sein. Wenn ihr zurückkommt, ist die Sache erledigt:"

Mit meinen eigenen Ohren habe ich mein Todesurteil vernommen, dann schleiche ich mich die Treppe hinauf, weil meine Schwester gehen will. Den Rest habe ich nicht gehört. [...]

(aus dem Buch Souad – Bei lebendigem Leib Seite 135)
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Auch Frauen sind in diesem Kreislauf - Ehre - Ehrverlust - Wiederherstellung - zu Mittäterinnen geworden. Vielfach ist der Druck der Gemeinschaft, des Dorfes oder des Clans auf die Familie so groß, dass sie sich gezwungen sehen, die Ehre wieder herzustellen, um nicht aus der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt zu werden.

In den Heimatländern müssen die Täter mit keinen oder nur geringen Strafen rechnen, denn der Wiederherstellung der Ehre wird in diesen Gemeinschaften eine so große Bedeutung beigemessen, dass der Täter in der Regel mit Nachsicht rechnen kann.

{ZITAT}

[...] Morde aus verletzter Ehre kommen sogar in bestausgebildeten türkischen Familien vor - im Osten wie im Westen, im Norden oder auch im Süden - und wird als exklusive Familienangelegenheit behandelt. Die Täter sind in 90% der Fälle männliche Familienangehörige der ermordeten Frauen - Väter, Brüder, Ehemänner oder männliche Sippenmitglieder.

Für diese Bluttaten wählen die Familien oft jüngere Söhne aus, die noch keine 18 Jahre alt sind. Sie sollen sich als "ehrenhafte Männer" beweisen. Ausserdem können sie als Minderjährige mit geringeren Strafen rechnen. Der Mörder kann dann mit zwei Jahren Gefängnis oder weniger davonkommen, und Zeugen gibt es auch fast nie. [...]

(Serap-Cileli unter [>http://www.serap-cileli.de/])
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