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{THEMA}Filme

{KAPITEL}Borinboresi

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Borinboresi

(Ghana/Österreich 2003) Regie, Kamera, Schnitt: Gertraud Schwarz, Konzept, Produktion: Agnes Neumayr, Organisation: Margarete Akagwire, Agnes Neumayr, Sprecherin: Barbara Gassner – Dokumentation, 68 min, Farbe, MiniDV 4:3

 

|:afrikanische Frauen bemalen die Wand einer Lehmhütte.:|

Borinboresi nennt man im Kasena/Nankana-Gebiet in Ghana die Wandmalkunst der Frauen. Die Malereien setzen sich aus den drei Erdfarben, Rot - Schwarz - Weiß, zusammen und bilden im Gegensatz zu den bunten Kleidern der ProtagonistInnen die grundlegende Färbung des Dokumentarfilms. Eine Totale, gefolgt von mehreren Einstellung aus dem Dorf, setzt den Raum fest und führt in die Erzählung ein. Die Bilder sprechen für sich selbst. Geduldig gibt die Kamera dem Motiv Zeit, sich zu erklären und zu entfalten: die BetrachterInnen sollen vorerst nur Sehen.

Eine Frau aus dem Dorf erklärt die kulturelle Bedeutung der Wandmalerei. Die Häuser zu Bemalen ist Aufgabe der Frauen. Die Muster stammen aus dem alltäglichen Gebrauch, wie zum Beispiel das Wansagsi, welches eine zerbrochene Kalebasse darstellt, aber es finden sich auch mythische Symbole wie die Schlange.

Ruhig setzt die Kamera die flache Steppenlandschaft in der Betrachtung der malenden Frauen fort, läßt den Dingen die für ihre Entstehung benötigte Zeit. Sie arbeitet sich immer näher an den Menschen heran ohne sich dabei voyeuristisch aufzudrängen. Während der Bemalung der Mauer formen die engen Ausschnitte einzelner Körperteile eine Einheit der Frauen. Streckenweise entsteht der Eindruck eines einzigen Wesens mit unzähligen Händen und einem über Generationen angesammelten Wissen über die Malkunst. Dieser Einheit setzt die Regisseurin Bilder von Frauen außerhalb des Bemalens, pausierende Frauen, ganz bei sich selbst, entgegen - Fasziniert betrachtet man die Studie des Halsmuskels einer Bewohnerin beim Trinken von Hirsewasser. Die Körperteile vermischen sich mit dem Material der Erde. Die Kameraeinstellungen in der Höhe der Hände zeigen die von Arbeit geformten Finger, die den Lehm auf die Wand streichen. Mit Lehm bedeckt werden die Hände "selbst zur Wand", verschmelzen optisch mit der nassen Schicht. Auch die Schatten der tanzenden Frauen auf dem körnigen Boden verdeutlichen diese enge Verbindung der Menschen mit der Erde. Als Naturvolk leben sie von dem, was die Erde hervorbringt, sind Teil ihrer selbst. Der Einsatz der Hände bei der Entstehung der Malereien unterstützt Vivian Sobchacks Begriff des taktilen Sehens, welches die Filmtheoretikerin als ein Sehen und gleichzeitiges Spüren beschreibt. Aber das taktile Sehen geht noch weiter, durch die intensive optische Sichtbarmachung der Handlung entsteht das Gefühl, man könne jeden einzelnen Stein des mühevoll gestampften Bodens ertasten und müsse, um sich die Arbeit in der Hitze zu erleichtern, in den Gesang der Frauen einstimmen. Und das Sehen wird zur Teilnahme. (Vera Koubowetz)

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