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{THEMA}Filme

{KAPITEL}Made in India

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Made in India

Indien/Schweiz 1998, Regie: Patricia Plattner, Produktion: Light Night Production SA, Kamera: Séverine Barde, Schnitt: Maya Schmid, Ton: Susanna Kumschick, Musik: Live Indian music, Dokumentarfilm, 91 min, 35mm (Beta D, blow up), Farbe, Original Version: English/Gujarati/Español, Deutsche Untertitel

 

|:Porträt einer Mitarbeiterin der Organisation SEWA.:|

Eine Gewerkschaft dient im ursprünglichen Sinne dazu, die Interessen einer bestimmten unselbständigen ArbeiterInnengruppe gegenüber ihren ArbeitgeberInnen zu vertreten. Ela Bhatt ist die Gründerin und Leiterin von SEWA, der „Self Employed Women Association” im Staat Gujarat in Indien. In ihrem Bestreben, einen Zusammenschluss von selbständigen Arbeiterinnen zu formen, entwickelte sie mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitgliedern ein neues Verständnis von Gewerkschaft.

SEWA vereint Frauen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen, Kasten und Religionen, die in den als „informeller Sektor” bezeichneten Bereichen arbeiten. Dazu gehören Stickerinnen, die ihre Arbeit zu Hause verrichten, Sammlerinnen von wiederverwertbarem Müll, Gemüseverkäuferinnen, Harzsammlerinnen, Tabakarbeiterinnen, usw. die tageweise und ohne feste/n ArbeitgeberIn ein Einkommen für die Familie erwirtschaften.

Arme Frauen müssen sich organisieren, um längerfristig ihre Lage zu verbessern, ist ein wichtiger Ansatz von SEWA. Durch einen Zusammenschluß findet man mehr Gehör in Lohnverhandlungen, die Arbeitsbedingungen können verbessert werden, SEWA forciert die Bildung ihrer Mitglieder, arbeitet im Gesundheitswesen, trainiert die Frauen zur Verbesserung der Qualität der Arbeit, was wiederum mit besserer Bezahlung honoriert wird.

In den Gesichtern der Portraitierten kann man den harten Arbeitsalltag sehen, aber Patricia Plattners Aufnahmen zeigen vor allem ihren Lebensmut, ihre Freude an dem Geschafften und ihren Stolz. Seit sie bei SEWA sind, ist die Arbeit nicht weniger geworden, die Frauen fühlen sich jedoch nicht mehr von ökonomischer Unsicherheit bedroht. Ihr Selbstbewusstsein ist gestiegen und sie wissen, dass sie es trotz der Armut schaffen werden.

Gegründet wurde SEWA 1972 in Ahmedabad, und Ela Bhatt verweist auf die Inspiration von Mahatma Gandhi, der in dieser Stadt seinen Kampf für die Unabhängigkeit begonnen hat. SEWA ist nicht nur die Abkürzung der Association, sondern ein indisches Wort; es bedeutet „Dienst”. Dienen mit Hingabe, selbstloses Dienen an einen Gott, an die Gemeinschaft ist als Wert in der indischen Kultur verhaftet und erhöht nach Ghandis Philosophie die Würde eines Menschen. Es ist ein Privileg, das Menschen aller Schichten und Klassen offen steht.

Am Beispiel von sechs Mitgliedern (Martha, Ranbai, Geeta, Badrunnisha, Shakri und Rami) und durch Interviews ist es Patricia Plattner mit „Made in India” hervorragend gelungen, die Entwicklung, die Bedeutung und die Struktur von SEWA zu beleuchten. Sie zeigt die Arbeitswelten und Überlebensstrategien in Billiglohnländern am Beispiel einer Association, die es geschafft hat, die Gegenwart von selbständig arbeitenden Frauen zu verbessern und deren Visionen für die Zukunft, für das Leben ihrer Töchter in greifbare Nähe zu rücken. (G.S.)

Preise

1er prix des Indépendants, Festival Media nord/sud, 1999, Schweiz.
Prime à la qualité de l'Office fédéral de la culture, Département fédéral de l'intérieur, 1999, Schweiz.

Filmogafie

Patricia Plattner arbeitet als Regisseurin und Produzentin.
Zu ihren Werken zählen die Portraits von David Streiff ‚Le sismographe, la lune et le leopard’ (1991) und Nicolas BouvierLe hibou et la baleine’ (1993), Dokumentarfilme wie ‚Hotel Abyssinie’ (1996) und ‚Maestro, Maestro! Herbert von Karajan’ (1999),
und die Spielfilme ‚Piano Panier’ (1989), ‚Le livre de cristal’ (1994) und ‚Les Petites Couleurs’ (2002).

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