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{THEMA}Filme

{KAPITEL}Scheidung auf Iranisch

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Scheidung auf Iranisch

Iran/GB 1998, Regie: Kim Longinotto/Ziba Mir-Hosseini, Produktion: Vixen Films, Kamera: Kim Longinotto, Schnitt: Barrie Vince, Ton: Christine Felce, 80 min, 16 mm, Farbe, OmeU

 

|:Eine arabische Frau mit einem Kind auf dem Arm.:|

Die Rechtssprechung über Scheidungen und die daraus entstandenen Familienzwiste unterliegen in fast allen islamischen Ländern der religiösen Gerichtsbarkeit, deren Gesetzestexte auf der Sharia, dem islamischen Rechtstext, aufbauen. Mit Beharrlichkeit und starkem Willen kämpfen die Frauen in Kim Longinottos und Ziba Mir-Hosseinis Dokumentarfilm über den Alltag in einem Teheraner Familiengericht gegen die Bestimmungen dieser Gesetzestexte, in denen sie klar benachteiligt werden.

Willigt eine Frau nicht in die vom Mann gewünschte Scheidung ein, fordert das Gericht zwar den Versuch einer Versöhnung, scheitert dieser jedoch, so kann ein Mann sich jederzeit von seiner Frau trennen. Frauen hingegen wird eine nicht einvernehmliche Scheidung nur aus wenigen Gründen bewilligt. Die wichtigsten davon sind der Nachweis der Zeugungsunfähigkeit des Mannes, seine Geisteskrankheit, eine eklatante Vernachlässigung der Familie oder eine schwerwiegend schlechte Behandlung durch den Mann.

Emotional wie wohl in jedem Scheidungsgericht werden sie geführt, die Auseinandersetzungen zwischen den gescheiterten EhepartnerInnen, deren Realitäten sich oft sehr widersprüchlich darstellen. Die unterschiedlichen Meinungen der Konfliktparteien bieten einen Einblick in die Wunschvorstellungen und die Realitäten von sehr differenten iranischen Familienleben. Der Fokus der Filmemacherinnen liegt dabei auf den Parallelen, die Familiendramen auf einer universellen Ebene mit sich bringen.

Jamileh vergibt ihrem Mann noch einmal, der seit 6 Monaten kaum mehr zu Hause auftaucht, arbeitslos ist und die Familien nicht mehr finanziell unterstützt. Ihr Sohn hat wenig Vertrauen in eine Besserung des Vaters, der mitunter auch handgreiflich wurde, und ist nicht so überzeugt, dass das die richtige Entscheidung ist.

Vor ca. einem Jahr hat die 16-jährige Ziba einen 20 Jahre älteren Mann geheiratet, mit dem sie nicht zusammenpasst, und den sie jetzt zu einer einvernehmlichen Trennung überreden will. Auf ihr Brautgeschenk möchte sie aber in keinem Fall verzichten, um eine finanzielle Absicherung für ihr Studium zu haben.

Das Brautgeschenk, welches von den Familien des Brautpaares zu Beginn der gemeinsamen Zeit ausgehandelt wird und vom Mann an die Frau zu richten ist, spielt in den Scheidungen oft eine wichtige Rolle als Druckmittel der Frauen. Meist verzichten sie allerdings gezwungenermaßen auf die Auszahlung des Betrages, um die Einwilligung des Mannes in die Scheidung zu erwirken und einen langen Gerichtsprozess abzuwenden.

Mit voller Härte und möglicherweise auch zum Nachteil der älteren Tochter, deren schulische Leistung in der Obhut des Vaters massiv nachgelassen hat, trifft das Gesetz Maryam und ihre Töchter, deren Sorgerecht sie nach einer erneuten Hochzeit verliert. Heiratet eine iranische Frau nach ihrer Scheidung einen anderen Mann, so fällt das Sorgerecht für die Kinder aus der vorangegangenen Ehe an ihren Ex-Ehemann.

Obwohl „Scheidung auf Iranisch” klar über die Seite der Frauen berichtet, hält sich die Dokumentation, im Gegensatz zum Wesen des Gerichts, welches die Erwirkung eines Urteiles verlangt, in der Beurteilung der portraitierten Personen so weit wie möglich zurück. Die Frauen verteidigen sich selbst und werden bei ihren Argumentationen gegenüber Richter Deldar und ihren Ehemännern beobachtet, die sie mit großer rhetorischer Gewandtheit, klugen Einwänden, emotionalen Überredungsversuchen, unnachgiebiger Beharrlichkeit oder unter Umständen auch mit Lügen vorbringen.

Die Filmemacherinnen haben sich zum Ziel gesetzt, das Stereotyp der unterdrückten und hilflosen muslimischen Frau aufzubrechen, ohne dem Publikum eine Sichtweise vorzuschreiben. Dies ist ihnen in der Darstellung des Einsatzes der Frauen für einen positiven Ausgang ihrer Ansuchen mit einem durchaus auch humorvollen Blick gelungen. (G.S.)

Filmografie

Kim Longinotto arbeitet als Regisseurin, Kamerafrau, Drehbuchautorin und Produzentin. Ihre Regiearbeiten umfassen: The Day I Will Never Forget (2002), Runaway (2001/I), Gaea Girls (2000), Divorce Iranian Style (1998), Rock Wives (1996) (TV), Shinjuku Boys (1995), Dream Girls (1994), The Good Wife of Tokyo (1992), Eat the Kimono (1989), Underage (1982)

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