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{THEMA}Frauenhandel

{KAPITEL}Migrationsgründe

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Gründe für die Migration

[*Armut im eigenen Land]
[*Beispiel Moldawien]
[*Tourismus als Brücke?]
[*Die Geschichte von D.L.]
[*Gesellschaft im Wandel]

Armut im eigenen Land

Die betroffenen Frauen kommen häufig aus armen Verhältnissen, haben vielfach Familie und Kinder zu ernähren und keine Zukunftsperspektive in ihrem Heimatland. In dieser Situation sind viele Frauen bereit, das Risiko einer Migration auf sich zu nehmen, um ihre Lebenssituation und die ihrer Familie und Kinder zu verbessern.

Sie vertrauen auf die Versprechungen einer Anzeige in einer Zeitung, den Berichten von Bekannten oder werden auch direkt von AgentInnen, Frauen und Männern aus ihrer Umgebung angesprochen bzw. angeworben. Mit dem Versprechen auf Job, Wohnung und Geld machen sich viele der Frauen auf den Weg in eine ungewisse Zukunft.

Viele erwarten sich eine Anstellung als Servierkraft, Tänzerin oder Aushilfe. Die Bedingungen im Zielland sind ihnen nicht bekannt, und unter welchen Umständen sie arbeiten müssen, meist auch nicht. Anderen Betroffenen ist zwar bekannt, dass sie als Prostituierte arbeiten werden, dennoch nicht, unter welch sklavenähnlichen Umständen sie ihr Geld verdienen müssen.

Erst einmal im Zielland angekommen, werden ihre persönlichen Freiheiten sofort eingeschränkt. Es sind Fälle bekannt, in denen ihnen nach dem Grenzübertritt der Pass von Ihren BegleiterInnen abgenommen wurde, so dass sie sich im Zielland nicht frei bewegen konnten. Die Migrantinnen sprechen oft die Landessprache nicht bzw. kaum und sind zu eingeschüchtert - durch Drohungen oder auch Gewalt -, um sich ihrer Situation zu wehren oder Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Frauen haben zudem vielfach, um für die Reisekosten aufzukommen, große Geldsummen aufgenommen, die dann im Zielland mit hohen Zinsen zurückzuzahlen sind.

Der Arm der Menschenhändler ist lang. Viele Frauen fürchten sich, zur Polizei zu gehen, Ihnen droht Abschiebung in ihr Heimatland, wo sie kaum die nötigen Mittel verdienen können, um die Geldbeträge zurückzuzahlen. Drohungen gegen die Familienmitglieder hindern die Frauen zusätzlich an der Rückkehr, aber auch die Scham durch die Arbeit als Prostituierte, das Gefühl, gescheitert zu sein, sowie die Erwartungen der Familie nicht erfüllt zu haben und mit leeren Händen heimzukehren.

Beispiel Moldawien

Moldawien wird oft als "Armenhaus Europas" bezeichnet. Derzeit leben ca. 60 % der Bevölkerung unter dem Existenzminimum. Unter anderem dadurch wurde Moldawien zu einem Ursprungsland für Frauenhandel und auch Transitland für weitere Länder der ehemaligen Sowjetunion.

Nach einer Untersuchung der GfK vom Juli 2002 müssen die Bewohner Moldawiens mit einem durchschnittlichen Einkommen von 223 Euro jährlich ihr Auskommen finden. Während die Staaten der EU zu den Oasen des Wohlstandes gehören, zählen die Staaten Süd- und Osteuropas - vor allem Albanien (563 Euro), Ukraine (379 Euro) und Moldawien (223 Euro) - zu den ärmsten Ländern.

Tourismus als Brücke?

Viele Frauen und Mädchen aus den typischen Urlaubsländern haben durch den Tourismus erstmals Kontakt zu vermeintlich reichen Männern aus dem Westen. Für viele Bewohnerinnen ist der Kontakt zu Touristen eine Möglichkeit, den tristen wirtschaftlichen Bedingungen ihres Heimatlandes zu entfliehen. Doch erst einmal in der neuen Heimat angekommen, entwickelt sich die Partnerschaft oft anders als erhofft. Hinzukommen falsche Versprechungen. Meist spricht die Frau die neue Landessprache nicht oder nur schlecht und ist finanziell abhängig von ihrem neuen Partner. Sprachschwierigkeiten und das Unverständnis der Gesellschaft tragen dazu bei, dass die Frau in einer Isolation lebt und mit ihren Problemen oft auf sich allein gestellt ist.

Die Geschichte von D.L.

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D. ist eine peruanische Staatsbürgerin. Sie war alleinerziehende Mutter, als sie 1990 den Österreicher S. in Peru kennenlernte, wo er seinen Urlaub verbrachte. Nach einigen Monaten heirateten sie in Peru. Herr S. fuhr nach Österreich zurück, und Frau D. folgte ihm mit ihrem 2-jährigen Sohn kurze Zeit danach.

Die ersten Wochen verliefen ruhig, doch nach zwei Monaten begann der Leidensweg für Frau D. Sie durfte die Wohnung nicht ohne Erlaubnis des Mannes verlassen. Sie verfügte über kein eigenes Geld. Der Mann mochte ihren kleinen Sohn nicht, bestrafte und misshandelte ihn, sobald er etwas lauter war oder spielte. Frau D. war verzweifelt und wusste nicht, was sie tun sollte, da sie die deutsche Sprache nicht beherrschte und keinerlei Kontakte hatte. Sie musste mitansehen, wie ihr Sohn immer nervöser und ängstlicher wurde.

Glücklicherweise wurde eine Nachbarin auf die Situation aufmerksam, und sie steckte D.L. beim Müll ausleeren einen Zettel mit der Telefonnummer einer Freundin zu, die Spanisch sprach. Über diese Freundin gelang es Frau D., das LEFÖ-Büro zu kontaktieren. Sie half Frau D. außerdem dabei, die Wohnung zu verlassen, und bot ihr an, bei ihr zu wohnen.

Der Ehemann versuchte mehrmals, sie ausfindig zu machen und zur Rückkehr in seine Wohnung zu zwingen. Er drohte mit der Fremdenpolizei, sie würde nicht in Österreich bleiben können, wenn sie sich nicht seinen Bedingungen beuge und bei ihm bleibe. Da sie weder Arbeit noch Wohnung hatte, war sie sehr stark diesem Druck ausgesetzt, zu dem Mann zurückzugehen.

LEFÖ half Frau D. bei der Besorgung des Befreiungsscheines und einer Arbeit, sodass sie sich alleine durchbringen konnte.

(aus "Frauenhandel" Schriftreihe, Band 4, BMfFrauen, 1996)
{ZITATENDE}

Gesellschaft im Wandel

Viele der Länder, aus denen die Frauen gehandelt werden, sind durch Krieg oder gesellschaftlichen Wandel in einer Umbruchphase. Alte Werte sind zerstört, neue Gesellschaftsstrukturen noch nicht aufgebaut. Dieser Umbruch, begleitet von Arbeitslosigkeit und der Zerfall der Familienstrukturen oder alte patriarchale Strukturen tragen dazu bei, dass immer mehr Frauen den Ausweg in der Migration sehen.

{ZITAT}

"Die Frauen wollen und planen ein besseres Leben für sich und für ihre Kinder. Sie möchten unabhängig und berufstätig sein, Karrieremöglichkeiten entsprechend ihrer Ausbildung wahrnehmen und wünschen sich insbesondere eine partnerschaftliche Beziehung oder Ehe. Sie wollen aus der traditionellen Familien- und Geschlechterrolle aussteigen. Das erscheint ihnen hier erreichbar und lebbar.

In ihren Heimatländern wird oft ein konservatives und traditionelles Modell der Familie propagiert, in welchem die Rolle der Mutter und Hausfrau als Erfüllung schlechthin gilt. Angesichts der sozialen und ökonomischen Realitäten und der Verantwortung der Frauen - wie vorher beschrieben - ist das paradox.

Der Mythos West-Europas beinhaltet also auch, dass hier die Unabhängigkeit und Emanzipation der Frauen besser gegeben ist, das es "frauenfreundlich" ist. Frauen migrieren auch deshalb vorrangig in die Länder, die als "frauenfreundlich" betrachtet werden: Niederlande, Deutschland, Belgien und auch die skandinavischen Länder [....]."

(Aus dem Vortrag von Christiane Howe, Agisra, Frankfurt bei der Konferenz: Europa gegen Menschenhandel in Berlin vom 15.-16. Oktober 2001)
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