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{THEMA}Schlagzeilen{KAPITEL}2005 |
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Österreich: Vergewaltigt und verkauft
Immer mehr hilfesuchende Frauen wenden sich an die Beratungsorganisation LEFÖ - Im letzten Jahr waren es 167, die versorgt und beraten wurden. Die Hälfte wurde von der Polizei aufgespürt. "Wenn die Beamten bei Razzien in den Bordellen Frauen sehen, die geschlagen wurden oder denen der Pass abgenommen wurde, bringen sie sie zu uns", schildert Evelyn Probst von LEFÖ. Jährlich werden bis zu 500.000 Frauen und Mädchen zum Zwecke der Prostitution in die EU geschleust. Nur selten werden die Verbrechen aufgedeckt. In Österreich wurden 2004 kanpp 240 Fälle von Menschenhandel angezeigt, 337 Opfer wurden gefunden. (Kurier vom 21.12.2005)
Afghanistan: Erste konstituierende Sitzung des Parlaments
Das neu gewählte Parlament ist äusserst divers in seiner Zusammensetzung und den Interessen der einzelnen Abgeordneten. Es setzt sich neben sogenannten "Unabhängigen" auch aus angeblichen Drogenbaronen, Ex-Angehörigen des Taliban-Regimes, Kriegsherren, die zum Teil wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind und ehemaligen Mujahedins - in Afghanistan die Bezeichnung für all jene, die in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzungsmacht gekämpft haben - zusammen. Anlass zum Hoffen gibt das unerwartet gute Abschneiden der Frauen im Parlament. Sie errangen 68 Sitze, mehr als die in der Verfassung vorgeschriebene Quote. Eine Abgeordnete, Malali Joya, meldete sich bereits lautstark und unerschrocken zu Wort. Sie kritisierte die Tatsache, dass viele Kriegsherren im Parlament vertreten sind. "Sie zerstörten unser Land und lehnen die Rechte der Frauen und die Menschenrechte ab. Ich werde mich dagegen stellen und niemals nachgeben", erklärte sie. (NZZ vom 19.12.2005)
Irak: Situation der Frauen geprägt von Gewalt
Fast täglich kommt es zu Erschießungen, Entführungen, Vergewaltigungen und Ermordungen von Mädchen und Frauen durch bewaffnete Gruppen. Frauen im Irak leben heute gefährlicher als in den Jahren zuvor. Besonders, wenn sie sich für ihre Rechte einsetzen und gegen frauenfeindliche Angriffe zur Wehr setzen. Frauenrechtlerinnen werden immer wieder Opfer von gezielten Anschlägen. Eine der ersten, die Morddrohungen erhielt, war Yanar Mohammed, die Präsidentin der Organisation für die Rechte der Frauen im Irak (OWFI), einer irakischen Fraueninitiative. Ihre Gruppe organisiert Demonstrationen gegen Vergewaltigung, Entführung und "Ehrenmorde". Die Organisation gibt eine Zeitung heraus und unterhält Schutzräume für Frauen, die von Gewalt und Mord bedroht sind. Deren Zahl wächst ständig, seit im Irak fundamentalistische und erzreligiöse Gruppen Auftrieb erhalten. Yanar Mohammed jetzt im Interview auf [>www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21564/1.html] (telepolis vom 14.12.2005)
NÖ Frauentelefon nimmt Betrieb auf
Seit 13.Dezember gibt es in Niederösterreich in zusätzliches Frauentelefon unter 0800 800 810. Das Telefon gilt als erste anonyme Anlaufstelle für Probleme aller Art; so können sich beispielsweise Frauen, die mit Gewalt in der Familie, mit sexueller Belästigung bzw. sexuellem Missbrauch oder auch mit einer Scheidung konfrontiert sind, an die Beraterinnen wenden. In erster Linie soll dieses Angebot Frauen im ländlichen Raum zugute kommen, die anonym bleiben wollen. "In Niederösterreich gibt es bereits ein sehr gutes Netz, das Frauen Hilfe und Unterstützung bietet, wie etwa Frauenservicestellen, Frauenhäuser oder auch Interventionsstellen gegen Gewalt an Frauen und Kindern. Dieses Frauentelefon soll ein erster Schritt zur Unterstützung sein, das verschiedene Vorteile in sich vereint. So können Frauen hier anonym bleiben, es bedarf nur eines sehr geringen Zeitaufwandes, und die Beratung ist leicht zu organisieren. Ein Wunsch ist, dass mit diesem Telefon Frauen aus der Sackgasse geholfen werden kann", erklärte Mikl-Leitner. Zudem betonte die Landesrätin, dass das neue Telefon "in keiner Konkurrenz" zu bisherigen Einrichtungen stehe; es solle eine Hilfe für all jene Frauen sein, die Angst hätten, sich direkt an eine Institution zu wenden. (OTS0118 vom 12.12.2005)
Afghanistan: Hohe Selbstmordrate bei Frauen
Die Selbsttötungen bei Frauen nimmt weiter dramatisch zu. Die Dunkelziffer ist sehr hoch, geschätzt werden allein im heurigen Jahr rund 2.500 Fälle. Als Grund werden die diskriminierenden Lebensumstände, insbesondere ausserhalb der Großstädte, angenommen. Besonders auf dem Lande haben die Frauen bisher wenig von den positiven Veränderungen gemerkt. Sie dürfen auch weiterhin nicht allein das Haus verlassen, studieren oder arbeiten. Die Zwangsverheiratung ist weit verbreitet (rund 80% der Frauen werden zwangsverheiratet), und häufig werden Frauen auch zwischen den Familien getauscht, z.B. als Kompensation für Verbrechen. Welche Lebensumstände die Frauen in den "neuen" Familien unter diesen Umständen vorfinden, ist leicht vorstellbar. Viele der Frauen sind körperlicher oder psychischer Gewalt ausgesetzt. Viele dieser Frauen wissen von ihren Rechten und lehnen sich gegen ihre Lebensumstände auf. Das führt jedoch dazu, dass sie noch mehr unter Druck gesetzt werden. Selbstmord als Protest und als einziger Ausweg aus einer ansonsten ausweglosen Situation? (proFRAU vom 9.12.2005)
Aktionsplan gegen Frauenhandel gefordert
Einen "nationalen Aktionsplan" zur Bekämpfung des internationalen Frauenhandels forderte SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin und SPÖ-Abgeordnete Bettina Stadlbauer am Mittwoch im Parlament. Als konkrete Maßnahmen, die in Österreich umzusetzen wären, nannte Stadlbauer die Schaffung eines eigenen Strafbestandes für die Beihilfe von Menschenhandel und den Ausbau des Opferschutzes im Verfahren. "Es kann nicht sein, dass die vollen Namen und Adressen der betroffenen Frauen im Gerichtsakt aufscheinen", betonte Stadlbauer. An dem von der Regierung "so hoch gerühmten Zeuginnenschutzprogramm habe von 798 betroffenen Frauen nur eine einzige teilgenommen", informierte Stadlbauer. (OTS0219 vom 7.12.2005)
Guatemala: Europäische Union organisiert Gespräch über Frauenmorde
Vertreter der Europäischen Union in Guatemala organisierten eine Gesprächsrunde zum Thema Gewalt gegen Frauen und Feminizide (Frauenmorde). Eingeladen waren sowohl Regierungsbeamte als auch Vertreterinnen sozialer Organisationen, die sich für die Sicherheit der guatemaltekischen Frauen einsetzen. Während des Treffens wurden Teile einer Studie über Feminizide vorgestellt, die vom Menschenrechtszentrum CALDH (Centro para la Acción Legal en Derechos Humanos) erarbeitet wurde. Viele der Verbrechen aus der letzten Zeit wiesen die gleichen Charakteristika auf wie während des Bürgerkriegs begangene Verbrechen. Damals habe man die Frauen als Kriegsbeute und sexuelle Objekte behandelt. Der Vertreter der Europäischen Union Joao Melo de Sampaio sagte, dass über die Diskussion klar geworden sei, dass das staatliche System Schwächen habe. (Poonal 698 vom 6.12.2005)
Deutschland: Wenn Mord zur Privatsache wird
Monatelang bedrohte, erniedrigte und verletzte Agim E. seine Frau. Eine vom Gericht verhängte Kontaktsperre brach er rund 40 Mal - trotzdem erhielt er nur eine Bewährungsstrafe. Diese Freiheit nutzte er zum Mord an seiner Frau. Opfer-Anwalt Pechstaedt sieht die Richter sehr wohl in der Pflicht: Während sich Polizei und Staatsanwaltschaften in der Regel bemühten, Stalking-Fälle ernst zu nehmen, seien es häufig die Richter, die solche Vorkommnisse systematisch herunterspielten. "Noch immer sind viele der Meinung, dass häusliche Gewalt oder Stalking allein die beteiligten Parteien betrifft und kaum justiziabel ist". (Spiegel online vom 6.12.2005)
El Salvador: Versagen des Staates
Verschiedene salvadorianische Frauenrechtsorganisationen analysierten die in diesem Jahr begangenen Morde an Frauen im Land und erstellten auf dieser Grundlage Handlungsempfehlungen für die Regierung. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 256 Frauen ermordet. (Poonal 698vom 6.12.2005)
Mexiko: Historisch einmaliger Haushaltsentwurf für Frauen 2006
Die Abgeordnetenkammer hat den Haushaltsentwurf für das Jahr 2006 verabschiedet. Dabei haben die finanziellen Zuschüsse für 36 Frauenprogramme in Höhe von 2,25 Milliarden Pesos (ca. 185 Millionen Euro) einen historischen Höchststand erreicht. Das Budget ist für die finanzielle Abdeckung der landesweiten Frauenprogramme bestimmt. Das ist ein Zuwachs von 1,05 Milliarden Pesos (ca. 82 Millionen Euro). Zu den Erfolgen, die im Rahmen der Aufstellung des Finanzhaushalts für 2006 erreicht wurden, zählt besonders die Schaffung einer Sonderermittlungsgruppe, die landesweit die Fälle des "Verschwindens" von Frauen und Morde an Frauen untersuchen soll. Ein weiteres Ziel der Parlamentarierinnen ist die Erstellung einer mexikoweiten Diagnose über alle Formen der Gewalt, die sich gegen Mädchen und Frauen richtet. (poonal 696 vom 25.11.2005)
Start der "16 Tage gegen Gewalt an Frauen"
Zum Auftakt der internationalen Kampagne präsentierten Vertreterinnen heimischer Frauenorganisationen am 24.11.2005 im Rahmen einer Pressekonferenz ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Seminaren, Workshops, Filmvorführungen und Informationsveranstaltungen zum Thema. Unterstützt wurde die Veranstaltung auch von der Schriftstellerin Marlene Streeruwitz. Sie forderte die MedienvertreterInnen auf, in ihrer Berichterstattung keine sprachlichen "Zuschreibungen", Wertungen oder Interpretationsspielräume zuzulassen und dadurch den Gewaltopfern eine (Mit)verantwortung anzulasten und die Täter zu entlasten. Sprache als Werkzeug! Marlene Streeruwitz sprach in ihrem Essay deutlich aus, was es in vielen Ländern bedeutet, als Mädchen geboren zu sein. Sie forderte dazu auf, den Satz "es ist ein Mädchen" zu entleeren, um ihn dann mit Freude zu erfüllen. Ein gelungene Auftaktveranstaltung, der viele Veranstaltungen in den nächten 16 Tagen folgen. Das Programm ist abrufbar unter [>www.aoef.at/start.htm] (proFRAU vom 24.11.2005)
Bald weibliche Imame in Marokko?
Wie im ORF "Weltjournal" berichtet wurde, werden in Marokko Frauen als Imame ausgebildet und dürfen künftig auch in den Moscheen lehren. Das traditionelle Freitagsgebet soll jedoch weiterhin den Männern vorbehalten bleiben. Der König hat damit ganz bewußt ein Tabu gebrochen und hofft, durch eine Stärkung der Frauen fundamentalistische Tendenzen einzudämmen. (ORF vom 16.11.2005)
Türkei: Schwere Niederlage für Erdogan im Kopftuchstreit
Das Europäische Menschenrechtsgericht in Straßburg bestätigte in einem höchstinstanzlichen Urteil das Kopftuchverbot in der Türkei. Erdogan argumentiert, dass die allermeisten Frauen in der Türkei das Kopftuch aus Tradition tragen, ohne damit eine politische Aussage zugunsten des radikalen Islam zu verbinden. Erdogans GegnerInnen in der Türkei und auch die Europa-RichterInnen in Straßburg sehen das anders. Das Kopftuch habe in der Türkei politische Bedeutung erlangt, urteilte das Menschenrechtsgericht. Ein Staat habe das Recht, mit dem Kopftuchverbot den Säkularismus "als Garant demokratischer Werte" zu schützen. Schließlich gebe es in der Türkei radikalislamische Bewegungen, die aus dem Land einen Gottesstaat machen wollten. (Die Standard vom 10.11.2005)
US-Abgeordnete fordern Maßnahmen wegen Frauenmorden in Ciudad Juárez
Das Unterkomitee für Internationale Beziehungen der westlichen Hemisphäre im US-amerikanischen Abgeordnetenhaus verabschiedete eine Resolution zugunsten der Angehörigen der ermordeten Frauen in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez. Die Resolution 90, die von 133 US-Abgeordneten unterstützt wurde, drückt den Familienangehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Zudem empfiehlt sie den Regierungsverantwortlichen Mexikos und der Vereinigten Staaten eine Reihe von Maßnahmen, um die Verbrechen aufzuklären und den Familien der Opfer beizustehen. Der Beschluss, mit dem sich letztlich das Weiße Haus beschäftigen wird, klagt ein, dass die Forderung nach Gerechtigkeit für die getöteten Frauen in Ciudad Juárez ein wichtiger Punkt auf der bilateralen Agenda der beiden Staaten wird. Die mexikanische Regierung soll aufgefordert werden, Verantwortung für die Justizbeamten zu übernehmen, die aus Nachlässigkeit, Unterlassung oder Amtsmissbrauch dafür sorgen, dass die Straffreiheit aufrechterhalten bleibt. (Poonal 694 vom 8.11.2005)
SOPHIE-BildungsRaum für Prostituierte
Die Beratungsstelle für Frauen in der Sexarbeit bietet in den nächsten beiden Jahren Sozialberatung, Berufsorientierung, Weiterbildung und Begleitung beim Eintritt in andere Branchen an. "SOPHIE hat es sich zum Ziel gesetzt, die Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiterinnen zu verbessern" so die Projektleiterin Mag.a Eva van Rahden. Kontaktmöglichkeit: SOPHIE-BildungsRaum für Prostituierte, Mag.a Eva van Rahden, Projektleiterin, Tel.: 0676/88666203. (OTS0006 vom 8.11.2005)
Lehrer wegen Menschenhandels vor Gericht
Ein Grazer Lehrer musste sich am Dienstag im Grazer Straflandesgericht wegen grenzüberschreitenden Menschenhandels mit Prostituierten verantworten. Laut Staatsanwaltschaft handelt sich um 30 bis 40 Fälle. Zahlreiche Mädchen sollen von dem Angeklagten ins Land gebracht worden sein, die dann als Prostituierte gearbeitet hatten. (orf.at vom 25.10.2005)
Stimmenauszählung in Afghanistan verzögert sich
Grund für die Verzögerung bei der Stimmenauszählung nach der Parlamentswahl seien Manipulationsvorwürfe, sagte Kommissionssprecher Alim Siddike. Nach den bisher vorliegenden Resultaten sind vor allem frühere Kriegsfürsten (Warlords) und auch Kandidaten mit vormaligen Taliban-Verbindungen erfolgreich gewesen. "Wer die Wähler eingeschüchtert hat, hat gewonnen. Die meisten ehrlichen Kandidaten wurden an den Rand gedrängt", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der afghanischen Menschenrechtskommission, Ahmad Fahim Hakim, in Kabul. (Kleine Zeitung vom 25.10.2005)
Entwurf für Anti-Stalking-Gesetz liegt vor
Der Wiener Frauenstadträtin Sonja Wehsely geht der jetzt vorliegende Gesetzesentwurf jedoch nicht weit genug. "Das Opfer muss zuerst einen Antrag bei Gericht stellen. Erst wenn das Gericht die Polizei beauftragt, kann sie das Opfer schützen. Dieser Prozess koste Zeit und Kraft, die die Opfer zumeist nicht hätten. Stalking ist eine Form der psychischen Gewalt. Der Staat ist verpflichtet, seinen Bürgerinnen und Bürgern rasch und effizient zu helfen. Dass das Opfer erst einen Antrag stellen und auf das Ergebnis warten muss, ist selbst dann, wenn dieses Verfahren beschleunigt durchgeführt wird, unzumutbar", so Wehsely. Das gesamte Rechtsverfahren im vorliegenden Entwurf sei zudem so kompliziert geregelt, dass für Opfer eine Durchsetzung ihrer Rechte ohne intensive Beratung oder anwaltliche Vertretung schier unmöglich scheine. Wehsely fordert eine Implementierung des Kontaktverbots im Sicherheitspolizeigesetz. Damit wären die Sicherheitsbehörden ermächtigt, sofort und ohne gerichtlichen Beschluss ein Kontaktverbot auszusprechen. (OTS0095 vom 19.10.2005)
Urteil nach Ehrenmord
In der Türkei ist ein 25-jähriger Mann wegen eines Ehrenmordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Istanbul sprach Irfan Tören schuldig, seine Schwester Anfang vergangenen Jahres erschossen zu haben. Die junge Frau hatte ein uneheliches Kind zur Welt gebracht, ihre nächsten Verwandten sahen die "Familienehre" verletzt. (Der Standard vom 15./16.10.2005)
EPP-Kongress: Maßnahmen gegen traditionsbedingte Gewalt an Frauen
Im Rahmen des EPP-Kongresses (European Peoples Party) erläuterte Bundesministerin Rauch-Kallat nochmals die geplanten Maßnahmen gegen traditionsbedingte Gewalt an Frauen. Zum Maßnahmenkatalog gehören:
Mit diesen Maßnahmen wird ein großer Teil der seit Jahren von den Beratungsstellen geforderten Schritte nun umgesetzt. Sprecherinnen auf dem Kongress waren unter anderem auch Serap Cileli - Autorin und Aktivistin gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde - und Waris Dirie - UNO-Sonderbotschafterin gegen Genitalverstümmelung. (proFRAU vom 15.10.2005)
Nein zur Sharia in Kanada
Aufgrund der vielen Proteste wurde die Möglichkeit, Streitigkeiten aussergerichtlich in den Glaubensgemeinschaften zu schlichten, nun zurückgenommen. Viele KritikerInnen fürchteten durch die Einführung der Sharia im Zivilrecht eine Benachteiligung der Frauen. (proFRAU vom 12.10.2005)
Scharf gegen Zwangsheirat vorgehen
Der Europarat fordert die Umsetzung der Europaratskonventionen in nationales Recht aller Mitgliedsstaaten. Scharf wird von den Abgeordneten der Parlamentarischen Versammlung kritisiert, dass es in mehreren Ländern noch Gesetze gibt, welche die Verheiratung von Minderjährigen gestatten. Dabei geht es vor allem um das aus dem Jahr 1962 stammende Übereinkommen über die Erklärung des Ehewillens, das Heiratsmindestalter, die Registrierung von Eheschließungen und die Konvention zur Bekämpfung der Diskriminierung von Frauen. Der Vorwurf gegen die Praktiken der Zwangsheirat aber richte sich weniger gegen die in ihrer neuen Umgebung noch nicht integrierten Menschen, sondern gegen die Behörden, die unter vermeintlicher Wahrung von Kultur und Traditionen das Vorgehen tolerieren. (Die Standard vom 11.10.2005)
Zwangsheiraten sind strukturelle Gewalt
Sonja Wehsely (Stadträtin für Integration und Frauenstadträtin) kündigt für 2006 eine umfassende Studie zum Thema Zwangsheirat an. Für die kommenden Monate plant die Frauenabteilung der Stadt Wien die Ausarbeitung weiterer Informations-, Sensibilisierungs- und Aufklärungskampagnen.Die Stadt Wien setzt bei diesem Thema aber auch auf die Arbeit mit den Communities. (OTS vom 7.10.2005)
Ein neuer Ort für wohnungslose Frauen
Der Fonds Soziales Wien (FSW) und die Caritas der Erzdiözese Wien stellen ab November 2005 im neuen FrauenWohnZentrum in der Springergasse im 2. Bezirk ein spezielles Angebot für wohnungslose Frauen zur Verfügung. Die Stadt Wien finanziert die Sanierung des Objekts in der Springergasse und den laufenden Betrieb der Wohneinrichtung. Darüber hinaus wird das bestehende FrauenWohnzimmer in die Springergasse übersiedeln und dort für bis zu 80 Frauen weiterhin als Tageszentrum zur Verfügung stehen. (OTS vom 5.10.2005)
Veranstaltungstipp: Zero Toleranz gegenüber Gewalt gegen Frauen
Am Donnerstag, den 6. Oktober 2005, laden die entwicklungspolitische Sprecherin der SPÖ im Parlament Petra Bayr und die SPÖ Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer zu einer Enquete mit dem Ziel, im Vorfeld der "internationalen Tage gegen Gewalt an Frauen" mit zahlreichen Vertreterinnen von NGO's einen gemeinsamen Maßnahmenkatalog und Strategien zu entwickeln. Ort: Parlament, SPÖ Stützpunktzimmer, Zeit: 17.00 - 20.30 Uhr. (proFRAU vom 1.10.2005)
Gemeinsamer Aktionsplan zu traditionsbedingter Gewalt
Die Ministerinnen Rauch-Kallat und Gastinger haben gemeinsam mit vier weiteren Ministerien und in Zusammenarbeit mit NGOs einen Maßnahmenkatalog zu traditionsbedingter Gewalt erarbeitet. Im Justizbereich soll Zwangsheirat nicht mehr als Privatanklagedelikt gelten, das Opfer muss einer Anklageerhebung nicht mehr zustimmen. Auch eine Meldedatenbank, wie seit langem von Expertinnen gefordert, soll eingerichet werden, in der Fälle von Zwangsehen und Genitalverstümmelung erfasst werden. Weitere Vorschläge sind ein Erlass für österreichische Konsulate im Umgang mit traditionsbedingter Gewalt (Außenministerin Ursula Plassnik), mobile Workshops für den ausserschulischen Kontakt mit betroffenen Jugendlichen (Bildungsministerin Elisabeth Gehrer), Bewußtseinsbildung bei Sozialorganisationen (Sozialministerin Ursula Haubner) und Schutz von Betroffenen im Asylverfahren (Innenministerin Liese Prokop). (der Standard vom 29.9.2005)
Österreichische Bundeshymne soll frauenfreundlicher werden - Kommentar
Die geplante textliche Änderung der Bundeshymne hat allerlei Kritik und Spott hervorgerufen. Das können und wollen wir gar nicht nachvollziehen, denn bei genauerem Hinsehen ist die anvisierte Änderung ein schöner Beitrag zur gendergerechten Sprache, auch wenn das Ziel in anderen Gebieten noch weit entfernt ist. Keinesfalls ersetzt diese Änderung jedoch eine kontinuierliche Frauenpolitik, zu der es viele dringende offene Punkte gibt, wie Verbesserung der Situation von Alleinerzieherinnen, gleicher Lohn für Frauen und Männer, sowie Erhöhung der Zahl der Kinderbetreuungsplätze, um nur einige davon zu nennen. (proFRAU vom 27.9.2005)
Veranstaltungstipp: krisen.Fest - 20 Jahre Lefö
Lefö kämpft seit 20 Jahren für die Rechte von Migrantinnen. Jetzt wird gefeiert! Wann: Am 29. September 2005, Einlass 19:30 Uhr, Beginn 20:30 Uhr mit Sektempfang - Buffet- Tombola und Musik. Wo: Moulin Rouge, Walfischgasse 11, 1010 Wien. Mehr Informationen auf [>www.lefoe.at/krisenfest]. (proFRAU vom 21.9.2005)
Afghanistan hat gewählt
Mit vielen Sicherheitsvorkehrungen wurde am 18. September 2005 in Afghanistan gewählt. Während Präsident Karsei von einem historischen Schritt spricht, berichten Beobachter von Unregelmäßigkeiten und einer geringen Wahlbeteiligung. Im Vorfeld der Wahlen kam es immer wieder zu Anschlägen und zu Drohungen. Wie viele der 12 Millionen Stimmberechtigten zu Hause geblieben sind, kann jetzt noch nicht gesagt werden. Erste Ergebnisse werden Anfang Oktober erwartet, das Endergebnis soll am 22. Oktober verkündet werden. Bei der afghanischen Parlamentswahl traten rund 2.760 Kandidaten aus 34 Provinzen sowie aus dem Nomadenvolk der Kuchi an, darunter auch 328 Frauen, denen ein Vertel der Sitze zustehen. Überrascht zeigen sich einige Wahlbeobachter von der hohen Wahlbeteiligung der Frauen, zumindest im Norden des Landes. Anderes wurde aus den südöstlichen Provinzen berichtet: hier versuchten männliche Verwandte, Frauen an der Stimmabgabe zu hindern. (Berliner Zeitung Online vom 19.9.2005)
"Die Schande"
Barbara Coudenhove-Kalergi ruft in ihrem Kommentar in der heutigen Ausgabe der Zeitung "Der Standard" Politikerinnen aller Parteien zu einer Aktion gegen Frauenhandel auf. "Es ist paradox: Wir bestrafen jeden, der einen kleinen Diebstahl begeht. Aber diejenigen, die aus der Versklavung und Ruinierung von mittellosen Frauen Nutzen ziehen, brauchen sich nicht zu fürchten." (Der Standard vom 19.9.2005)
Verfahren gegen Escort-Kunden eingeleitet - Kommentar
Die Staatsanwaltschaft Korneuburg begann erst nach den Veröffentlichungen in der Zeitschrift "Falter" auf Weisung aus dem Justizministerium gegen die Konsumenten minderjähriger Prostituierten des Wiener Escort Service zu ermitteln. Ans Licht kamen bisher Freier wie der US-Anwalt Ed Fagan und der frühere Mitarbeiter von Nationalratspräsident Khol, Gerhard Roder. Die Tatsache, dass erst auf öffentlichen Druck hin gegen die allseits bekannten Freier ermittelt wird, wirft ein schlechtes Licht auf den "Willen" der Justiz, die Strafttat - denn das ist der Missbrauch von Jugendlichen unter 18 Jahren - aufzuklären. Fast könnte der Eindruck entstehen, "hier haben es sich wieder ein paar gerichtet". Solange nicht konsequent auf allen Ebenen und in den Ministerien gegen Frauenhandel und gegen den Missbrauch von Minderjährigen vorgegangen wird, wird die Arbeit von Frauenorganisationen zu diesem Thema ohne Erfolg bleiben. Bleibt zu hoffen, dass das öffentliche und das Medieninteresse zu einer vollständigen Aufklärung sowie zur Umsetzung von langjährigen Forderungen wie Zeuginnenschutzprogramme für die betroffenen Frauen, Bleiberecht (zumindest für die Stabilisierungsphase) und ausreichend Betreuungsplätze führen. (proFRAU vom 15.9.2005)
Veranstaltungstipp: "Der Wert der Arbeit"
Moon Sharma, Präsidentin der EZA-Partnerorganisation TARA, und Shaista Begum, eine Perlenstickerin mit einer Heimwerkstätte in Old Dehli, berichten über die Situation von HandwerkerInnen in ihrem Umfeld und Perspektiven des Fairen Handels. Am 23.9.2005 im Cafe Galerie Kandinsky, Beginn 19:30 Uhr. Veranstalterinnen sind Weltladen und EZA Fairer Handel GmbH. (proFRAU vom 12.9.2005)
Arbeit von Judith Galarza gefährdet
Über unsere Kooperationspartnerin von Terre-des-Femmes Tübingen haben wir erfahren, dass FEDEFAM, deren Vorsitzende Judith Galarza ist, unter schweren Finanznöten leidet. Judith Galarza kämpft seit Jahren mit viel persönlichem Einsatz und Mut für die Aufklärung der Morde an Frauen in Ciudad Juárez. Wenn sie Judith Galarza's Arbeit unterstützen können und möchten, bitten wir um Spenden auf unser Konto bei der Volksbank Wien mit dem Betreff: Judith Galarza oder direkt an TERRE DES FEMMES Konto Nr. 881 999 bei der Kreissparkasse Tübingen, BLZ 641 50020, Stichwort: "Mexiko, Judith Galarza". Herzlichen Dank! (proFRAU vom 10.9.2005)
Proteste gegen Sharia in Kanada
Die Regierung von Ontario hat bestätigt, dass sie juristischen Schlichtungsstellen im muslimischen Teil der Bevölkerung erlaubt, nach Sharia vorzugehen. Das gilt ausdrücklich nur für Zivilstreitigkeiten und nicht für das Strafrecht, damit Strafen wie Steinigung und Handabhacken ausgeschlossen sind. Dennoch befürchten vor allem Frauen eine erhebliche Benachteiligung. Auch Erbschaften werden über das Zivilrechtsverfahren geregelt und nach dem islamischen Recht bekommen Söhne doppelt so viel wie Töchter. (Der Standard vom 10./11.9.2005)
Die Freier von minderjähriger (Zwangs-)Prostituierten blieben unbehelligt
Aus vom "Falter" (Ausgabe 34/05) veröffentlichten Abhörprotokollen geht hervor, dass sich Manager, Botschaftsmitarbeiter, ein Wiener Anwalt und auch ein prominenter US-Anwalt minderjährige Frauen für Sexspiele bei einer Begleitagentur bestellten. Wie jetzt bekannt wurde, wurden gegen den Anwalt und andere Kunden keine Erhebungen betrieben, obwohl seit August 2002 Sex gegen Entgelt mit Personen unter 18 Jahren strafbar ist. (ORF Online vom 31.8.2005)
Geringes Strafmaß für verurteilte Menschenhändler
Bereits am 24.8.2005 berichtete ORF Kärnten über einen Prozess von zwei polnischen Menschenhändlern. Der Anwalt der Angeklagten argumentierte, dass die Frauen gewusst haben, auf was sie sich einlassen und “sie haben mit ihrer Tätigkeit das Vielfache eines Facharbeiters in ihrer Heimat verdient und so das Studium ihrer Kinder finanziert”. Unter der Annahme, dass es sich bei beiden nur um “kleine Fische”handelte (die Angeklagten brachten die Mädchen nach Österreich und kassierten die Frauen später ab) verurteile das Schöffengericht die beiden zu 15 bzw. 18 Monaten. Von dieser Strafe müssen sie nur 6 Monate absitzen. Der Staatsanwalt hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. [>mehr ...] (proFRAU vom 31.8.2005)
Frauenhandel in Wien - Kommentar
Die Zeitschrift Falter "deckt auf", was für viele Expertinnen längst Gewissheit ist, dass Wien bzw. Österreich nicht nur ein Transitland und Umschlagplatz für gehandelte Frauen ist, sondern seit Jahren auch ein Zielland, in dem die Mädchen und Frauen rücksichtslos eingeschüchtert, ausgebeutet und mit Gewalt und Gewaltandrohungen gefügig gemacht werden. Die Freier sind dabei nur ein Teil eines gut funktionierenden Systems im Handel mit der Ware Frau: MenschenhändlerInnen, SchlepperInnen, Begleitagenturen, WohnungsvermieterInnen, AnwerberInnen im Herkunftsland und wahrscheinlich auch der eine oder andere Beamte tragen dazu bei, dass das System auch gut funktioniert. Eine Bestrafung der Freier von Zwangsprostituierten ist daher - meiner Meinung nach - nur ein Teil eines möglichen Lösungsansatzes. Gleichzeitig muss das befristete Aufenthaltsrecht für "Tänzerinnen" ebenso diskutiert werden wie die freie Nutzung des Internets für die Bewerbung der Frauen und das nur geringe Strafmaß für verurteilte Menschenhändler. Der Ansatz, Prostitution ganz generell zu verbieten, ist dabei keine Lösung für Zwangsprostitution. Das zeigt uns die Erfahrung anderer Länder, in denen das Verbot lediglich zu einer "versteckten" Prostitution geführt hat. Ganz im Gegenteil, es gehört dieses Gewerbe endlich legalisiert und damit auch anerkannt. Was fehlt, sind eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema und der Wille zur Lösung dieses modernen "Sklavenhandels". Und so können die MenschenhändlerInnen und HelferInnen auch weiterhin fast ungehindert ihr lukratives Geschäft betreiben. Die Freier genießen und schweigen, die Menschenhändler verdienen und schweigen, die Mädchen und Frauen leiden und schweigen - aus Angst. (Gabi Frimberger) (proFRAU vom 30.8.2005)
Veranstaltungshinweis: BESSER.FAIR
Unter diesem Titel stellt die Frauensolidarität in Kooperation mit FIAN Blumen ins Zentrum des öffentlichen Interesses mit einer Plakataktion und einer Filmreihe in Tulln, Wien und St. Pölten. Gezeigt werden in einer Fiilmmatinee: "Maria voll der Gnade" und "Blumengrüße vom Äquator" am 4.9.2005 um 12 Uhr im Top Kino, Rahlgasse 1. (proFRAU vom 26.8.2005)
Internationale Sudan-Konferenz in Wien
Der Verein "NilDonau für Entwicklung und Friedenskultur" organisiert vom 26. bis 28. August 2005 eine überparteiliche Konferenz mit Menschenrechtsaktivistinnen aus dem Sudan. Am 26.8.2005 findet dazu im Parlament eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Die Rolle sudanesischer Frauen beim Demokratisierungsprozess und Wiederaufbau im Sudan" statt. Ziel ist, die Partizipation von Frauen im Rahmen des Wiederaufbaus zu thematisieren und zu stärken. (proFRAU vom 18.8.2005)
Kommunalwahl in Pakistan: Geldstrafen gegen Frauenwahlbeteiligung
[...] In einigen Regionen wurden Frauen am Donnerstag von der Stimmabgabe ausgeschlossen. Vor allem im Nordwesten des Landes wollten mehrere Dorfälteste Frauen den Zutritt zu den Wahllokalen verbieten. Der Dorfälteste in der Ortschaft Shaikhan nahe Peshawar drohte Familien eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Rupien (knapp 1.400 Euro) an, wenn eine Frau der Familie zur Wahl gehen sollte. Stimmberechtigt für die drei Abstimmungsrunden sind nach Angaben der Wahlkommission rund drei Millionen Menschen. (die Standard vom 18.8.2005)
neue Internetplattform zum Thema Zwangsheirat
Auf Initiative der Frauenberatungsstelle Orient Express gibt es seit kurzem eine eigene Internetplattform zum Thema Zwangsheirat unter [>www.gegen-zwangsheirat.at] mit Informationen zum Thema. Zielgruppe sind vor allem junge Mädchen, die mit der Aktion angesprochen werden sollen. Parallel dazu gibt es auch ein Plakat-Aktion, ebenfalls vom Orient Express initiiert, in Kooperation mit der Stadt Wien und dem Stadtschulrat. (proFRAU vom 13.8.2005)
Sudan: UNO kritisiert Tatenlosigkeit gegenüber Vergewaltigungen
Im Sudan muss das "Klima der Tatenlosigkeit" betreffend sexueller Gewalt in der Krisenregion Dafur endlich enden, wie die Vereinten Nationen am Freitag in einem Bericht bekannt gaben. Die sudanesische Regierung hat bislang empfindlich auf Vorwürfe bezüglich systematischer Vergewaltigung reagiert und vereinzelt auch Leute inhaftieren lassen, die derartige Anschuldigungen an die Öffentlichkeit gebracht haben, während die Vergewaltigungen ungehindert weiter gehen. Auch Mitglieder der Sicherheitskräfte vor Ort sollen beteiligt sein, so die UNO. (die Standard vom 1.8.2005)
Guatemala: Mehr als 1.000 Frauenmorde
Auch amnesty international macht die Morde in Guatemala nun zum Thema. Fast 1.200 Mädchen und Frauen sind nach vorsichtigen Schätzungen zwischen 2001 und 2004 in Guatemala ermordet worden. Allein im vergangenen Jahr fielen mindestens 527 Frauen zum Teil äußerst brutaler Gewalt zum Opfer. Viele Frauenmorde in Guatemala wurden in städtischen Gegenden begangen, in denen in den letzten Jahren ein genereller Anstieg an Gewaltverbrechen in Verbindung mit organisierter Kriminalität und Bandenkriminalität verzeichnet wurde. Männer waren von der zunehmenden Gewalt und dem Zusammenbruch der rechtsstaatlichen Ordnung ebenfalls betroffen. Dennoch deuten die Art der Verbrechen, die Anzeichen sexueller Gewalt und der dramatische Anstieg des Frauenanteils an der Gesamtzahl der Mordopfer darauf hin, dass das Geschlecht der Opfer einen bedeutenden Faktor für die Klärung der Verbrechenshintergründe darstellt. Mehr zum Bericht bei [>www.amnesty.at]. (ai Newsletter vom 30.7.2005)
Guatemala: Jeden Tag Mord
Ralf Leonhard befragte für die aktuelle Ausgabe des "Panorama" den Menschenrechts-Prokurator von Guatemala: Sergio Morales u.a. auch zu den Morden in Guatemala. "Jeden Tag werden durchschnittlich 14 Personen ermordet, und die Regierung schaut zu", so der Prokurator. Zu den mysteriösen Frauenmorden befragt, stellt Sergio Morales fest: "Die meisten sind jung und gingen noch in die Schule oder arbeiteten in einem ausländischen Fertigungsbetrieb. [...] Viele dürften aber irgendwie in die Kriminalität oder Prostitution verwickelt gewesen sein. Oft werden Frauen eingesetzt, um Kidnappingopfer zu bewachen. Dann bringt man sie um, denn sie stehen unter dem Generalverdacht, den Mund nicht halten zu können. Vor kurzem gab es einen besonders krassen Fall, den wir untersucht haben, obwohl wird dazu eigentlich nicht die Kompetenz haben. Aber Polizei und Staatsanwaltshaft haben nichts unternommen." (Den vollständigen Artikel können Sie über [@igla2@compuserve.com] beziehen.) (Panorama Nr. 3 vom Juni 2005)
Nordnigeria führt Geschlechtertrennung ein
Moslemische Frauen und Männer dürfen im Norden Nigerias künftig nicht mehr zusammen im Bus oder gemeinsam auf einem Motorrad fahren. Etwa 9.000 Sicherheitskräfte seien im Einsatz, um die Einhaltung des Verbots zu überwachen, berichtete der britische Sender BBC heute. Die christliche Minderheit in dem Bundesstaat dürfe weiterhin gemischte Busse benutzen. (ORF online vom 27.7.2005)
Frauen haben schlechte Karten am Arbeitsmarkt
Die Frauenbeschäftigung wächst zwar kontinuierlich, allerdings handelt es sich zumeist um prekäre, nicht existenzsichernde Jobs. Laut Statistik Austria gab es von 2000 bis 2004 einen Zuwachs von mehr als 95.000 Frauenarbeitsplätzen, allerdings waren von diesen zusätzlichen Arbeitsplätzen lediglich 5.000 Vollzeitjobs. Von den 90.000 Teilzeitjobs sind die meisten im gering qualifizierten und damit wenig existenzsichernden Bereich angesiedelt. Jede dritte teilzeitbeschäftigte Frau arbeitet als Hilfsarbeiterin oder verrichtet einfache Tätigkeiten. Im Vergleich von 2000 auf 2004 sind um fast 17.000 mehr Frauen ohne Arbeit, inkl. Schulungsteilnehmerinnen sogar fast 23.000. Zwar wollen immer mehr Frauen erwerbstätig sein, aber für viele ist dieser Wunsch nicht realisierbar. Die angespannte Arbeitsmarktsituation trifft alle Zielgruppen, jene, die am Arbeitsmarkt noch nicht integriert waren, genauso, wie jene, die ihre Berufstätigkeit unterbrochen haben oder aufgrund des Alters benachteiligt werden. Auch Wiedereinsteigerinnen erleben zunehmend Schwierigkeiten bei der Berufsrückkehr. Die Anreize zu langen Berufsunterbrechungen durch das Kinderbetreuungsgeld haben zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. (OTS0026 vom 18.7.2005 und Arbeiterkammer Wien vom 29.6.2005)
Sexualisierte Gewalt: Das Schweigen brechen
Die Frauenrechtsorganisation medica mondiale e.V. appelliert an Ärzte und Psychotherapeuten, bei der Diagnose von Frauen über 60 Jahre immer auch in biografischen Zusammenhängen zu denken. Die Gynäkologin Dr. med. Monika Hauser, Gründerin und Geschäftsführerin von medica mondiale (siehe auch „Dem Wahnsinn etwas entgegensetzen“, Deutsches Ärzteblatt, Heft 31–32/2003) kritisierte, dass es immer noch zu wenig Bewusstsein bei Ärzten und Fachpersonal gebe über die Zusammenhänge von sexualisierter Kriegsgewalt, traumatischen Erfahrungen und deren psychischen und somatischen Folgen. Die Altenpflegerin Monika Böhmer forderte für ältere Frauen, die sexualisierte Gewalt erleiden mussten, „frauen- und traumaorientierte Diagnostik, Pflege und Behandlung, um sie vor Retraumatisierungen zu schützen“. Da die erlittene Gewalt meist nicht bekannt sei und die betroffenen Frauen nicht darüber redeten, sei es vor allem wichtig, Symptome und Verhaltensweisen immer zunächst als Reaktion auf bestimmte Maßnahmen, zum Beispiel das Anbringen eines Katheters, zu hinterfragen. „Den Frauen darf nicht mit voreiligen Diagnosen und Medikamentengaben noch mehr Schaden zugefügt werden“, so Böhmer. Deshalb müsse das Thema sowohl in die Altenpflegeausbildung als auch in medizinische Curricula aufgenommen werden. (Deutsches Ärzteblatt vom Juli 2005)
Kinderlose "Trümmerfrauen" erhalten keine Sonderleistungen - Kommentar
Nun ist es doch beschlossen, nur jene - so genannte - "Trümmerfrauen", die vor dem 1.Januar 1951 ein Kind geboren haben, erhalten einmalig eine Prämie von 300 Euro für ihre Aufbauarbeit. Diese Bedingung, die Prämie nur Müttern mit einem Kind vor diesem Stichtag auszubezahlen, ist eine Benachteiligung kinderloser Frauen, die in der schwierigen (Nach-)Kriegszeit mit ihrer Arbeit ebenfalls zum Wiederaufbau beigetragen haben. Wer und was soll hier nun belohnt werden? Die Wiederaufbauarbeit oder die Mutterschaft, oder werden nur einfach Kosten minimiert und gleichzeitig wieder einmal die Vorstellungen von Frauenpolitik (Frauenpolitik = Familienpolitik) durchgesetzt? Für die These der Kostenminimierung spricht auch die schwerfällige Abwicklung. Gelangen doch nur jene in den Genuss der "Trümmerfrauen-Prämie", die diese auch beim Bundessozialamt beantragen. Eine große Inseratenkampagne, sicher werbewirksam, soll darauf hinweisen. (proFRAU vom 8.7.2005)
Vergewaltigte Frau in Pakistan: Mann verbrannte sich aus Protest
Aus Protest gegen die Untätigkeit der Justiz nach der Mehrfachvergewaltigung seiner Frau hat sich ein Mann in Pakistan am Donnerstag öffentlich verbrannt. Bashir Ahmed übergoss sich vor der Dienststelle eines hochrangigen Polizeioffiziers in der Stadt Bahwalpur mit Benzin und zündete sich an, wie es aus Polizeikreisen hieß. Frauen in Pakistan werden immer wieder Opfer von Mord, Vergewaltigung und Brandattacken. Derzeit beschäftigt sich das Oberste Gericht des Landes mit dem Fall von fünf Männern, die im März vom Vorwurf der gemeinschaftlichen Vergewaltigung einer Frau freigesprochen worden waren. Die Männer hatten im Juni 2002 auf Anordnung eines Stammesrats im Dorf Meerwala in der nördlichen Provinz Punjab die Frau vergewaltigt und waren dafür in erster Instanz zum Tode verurteilt worden. Im März dieses Jahres hatte das Gericht in Lahore sie jedoch freigesprochen; das Urteil löste internationale Proteste aus. (die Standard vom 7.7.2005)
Meine Tochter fasst niemand an!
Mary Kreutzer, Politwissenschafterin, berichtet in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Frauensolidarität" über den aktuellen Stand der Frauenrechte im Nordirak. Dort kämpfen Frauen gegen Ehrenmorde und FGM (Genitalverstümmelung), von der erst seit kurzem bekannt ist, dass sie auch im Nordirak praktiziert wird. Von 1.544 befragten Frauen und Mädchen in der Region Germian waren 907 beschnitten, also mindestens 60% der Frauen. Mobile Teams der Organisation "Wadi" beraten die Frauen, klären auf und versuchen, den Betroffenen zu helfen. Mittlerweile ist FGM auch nach irakischem Gesetz strafbar. (Frauensolidarität Nr. 92 - 02/2005)
Wenn der Staat versagt
Fatima und Sahide wurden von ihren Ehemännern ermordet. Obwohl sie beide mehrmals auf die realen und nachweisbaren Bedrohungen durch ihre Ehemänner hingewiesen hatten, wurden die Drohungen nicht ernst genommen und den Frauen kein ausreichender Schutz gewährt. Der Wiener Rechtshilfeverein "Frauen Rechtsschutz" hat mit der Kriseninterventionsstelle nun diese Fälle vor das UNO-Tribunal gebracht, denn damit wird die Republik Österreich gezwungen, die Fälle auf Fehlverhalten der Polizei und/oder der Justiz hin zu untersuchen, sowie Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Fathima und Sahide sind keine Einzelfälle. In einer Studie hat das Institut für Konfliktforschung festgestellt, dass jede zweite Anzeige von Körperverletzungen gegen Frauen eingestellt wird, bei Anzeigen wegen gefährlicher Drohung sogar 60 Prozent. Nach Meinung von Anna Sporrer, Obfrau des Vereins "Frauen Rechtsschutz", sind keine Gesetzesänderungen nötig, mehr Sensibilität bei Polizei und Justizbehörden wären wichtig. Denn oft komme es vor, dass die Polizei der Ansicht ist, die Frauen selbst seien an ihrer Situation schuld. Gemeinsam mit Rosa Logar, der Leiterin der Interventionsstelle, fordert Sporrer eine Spezialisierung von Staatsanwälten und Richtern auf Gewaltdelikte in der Familie, sowie mehr Schulungen für jene, die in diesem Bereich arbeiten. (Falter vom 1.7.2005 und Ö1 vom 29.6.2005)
"FGM - Weibliche Genitalbeschneidung - 'Sunna' oder Verbrechen aus Tradition?"
Am 24.6.05 fand auf Initiative des Forum Muslimische Frauen Österreich mit der Schuramoschee und der Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen in Zusamenarbeit mit anderen Organisationen im Unicampus im Alten AKH ein sehr gut besuchter Vortrag zum Thema statt. Es waren viele Muslime und Musliminnen verschiedener Länder anwesend, die besonders aufmerksam den Ausführungen von Imam Scheich Adnan Ibrahim folgten. Der Imam sprach sich klar gegen die Verstümmelung von Frauen aus und betonte das Recht der Frau auf körperliche Unversehrtheit und ein erfülltes Sexualleben. Als Beweis hinterfragte und widerlegte er die Überlieferungen dazu. Die Veranstaltung war in unseren Augen ein wichtiges Zeichen an die muslimische Glaubensgemeinschaft, dass auch der Imam und die geistige Führung FGM verurteilen. Das stärkt die Arbeit der KämpferInnen gegen FGM und macht es den TäterInnen schwierig, FGM als religiöse Notwendigkeit darzustellen. (proFRAU vom 25.6.2005)
Spanien: Beschneidung von Mädchen wird härter bestraft
Die Beschneidung von Mädchen kann in Spanien künftig auch dann bestraft werden, wenn die Eingriffe außerhalb des Landes vorgenommen werden. Ein entsprechendes Gesetz verabschiedete das Parlament am Donnerstag ohne Gegenstimme. Schon zuvor konnte die Verstümmelung weiblicher Genitalien mit bis zu zwölf Jahren Haft bestraft werden. Nun können allerdings auch Personen ins Gefängnis kommen, die ihre Kinder zur Beschneidung ins Ausland bringen und dann wieder zurückkommen. Die Abgeordnete Merce Pigem hatte das Gesetz eingebracht. Sie hat ihren Wahlkreis im Nordosten Kataloniens, wo die größten afrikanischen Gemeinden Spaniens leben. Pigem berichtete, afrikanische Mädchen hätten sich mehrfach an die Behörden gewandt, weil sie fürchteten, bei einem Besuch in ihrer Heimat zwangsbeschnitten zu werden. Sie fordert eine Regierungsinitiative, um die afrikanischen Gemeinden über den "entwürdigenden und gefährlichen" Brauch aufzuklären und diesen auszumerzen. (die Standard vom 23.6.2005)
Eröffnung der Beratungsstelle für Betroffene von FGM
Am 23.6.2005 um 19 Uhr wird die Beratungsstelle "Bright Future" für Betroffene von weiblicher Genitalverstümmelung feierlich eröffnet. Wo: Afro-Asiatisches Institut, 1090 Wien, Türkenstrasse 3. Die Finanzierung hat die Stadt Wien übernommen. Initiatorin ist Etenesh Hadis, Afrikanische Frauenorganisation Wien. Damit ist ein erster Schritt getan, den betroffenen Frauen Hilfe und Betreuung anzubieten. (OTS0051vom 15.6.2005)
Medica Mondiale Kampagne: "Zeit zu sprechen"
Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der deutschen Kriegs- und Nachkriegszeit ist immer noch ein Tabu. Aus diesem Grund veranstaltete Medica Mondiale am 2.6.2005 eine Tagung zu diesem Thema und erinnert in verschiedenen Aktionen an die Verbrechen damals und heute. Zum Thema gibt es jetzt auch eine Broschüre: Zeit zu sprechen. Anzufordern unter per E-Mail unter [@kontakt@zeit-zu-sprechen.de] (proFRAU vom 3.6.2005)
Kolumbien: Sterilisierung von Frauen als Pilotprojekt zur Armutsbekämpfung
Ein Pilotplan des Ministeriums für Sozialen Schutz, dem auch die Gesundheitsversorgung untersteht, hat eine heftige Debatte zwischen den Gesundheitsbehörden, der katholischen Kirche und internationalen Organisationen ausgelöst. Demnach sollen zur Armutsbekämpfung Frauen mit mehr als vier Kindern sterilisiert werden. Die örtliche Presse hat mitgeteilt, dass arme Frauen von den lokalen Behörden dazu bewegt worden seien, die Hilfe der Gesundheitsbehörden in Anspruch zu nehmen, ohne zu wissen, dass sie dabei sterilisiert werden würden. Die Frauen wissen nicht, was mit ihnen gemacht wird und haben auch keine Kenntnis darüber, dass die Behörden das Ziel verfolgen, bei Hunderten von Frauen die Eileiter abzubinden, um das Bevölkerungswachstum zu verhindern. (Poonal Nr. 670 vom 24. Mai 2005)
Buchtipp: Schmerzenskinder
Das neue Buch von Waris Dirie (Mitautorin Corinna Milborn) zeigt die Probleme genitalverstümmelter Migrantinnen in Europa auf. Erschreckend ist, dass nach ihrer Recherche Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen hier in Europa oder während eines Urlaubs in ihrem Heimatland vorgenommen werden. Eine Forderung der Autorinnen ist daher, in allen europäischen Ländern die Verstümmelung strafrechtlich zu verfolgen und drohende Genitalverstümmelung als Asylgrund anzuerkennen. Erschienen im Marion von Schröder Verlag. (proFRAU vom 22.5.2005)
Menschenhandel boomt - Kommentar -
Im vergangenen Jahr sind in Österreich 238 derartige Fälle angezeigt und alle bis auf zwei geklärt worden. Dass der Menschenhandel in den letzten zwei Jahren boomt, darf ruhig bezweifelt werden, denn gehandelt werden Frauen schon lange in viel höherer Zahl. Viel wahrscheinlicher ist hingegen, dass durch die regelmäßige Bewußtseinsarbeit der Beratungsstellen gegen Frauenhandel auf nationaler und internationaler Ebene nun mehr Sensibilität für dieses Thema vorhanden ist sowie ein gestiegenes öffentliches Interesse. Bleibt nur die Frage offen, ob denn die MenschenhändlerInnen auch verurteilt werden, denn die Zahl der Verurteilungen war in der Vergangenheit weit geringer als die Zahl der Anzeigen. Die gehandelten Frauen werden schnell abgeschoben, was das Verfahren erschwert, und auch Zeuginnenschutzprogramme, die aussagewillige Frauen schützen, gibt es bisher keine. (proFRAU vom 20.5.2005)
Lage in Kabul immer schwieriger
Nach der Entführung der Care-Mitarbeiterin Clementina Cantoni wurde nun die beliebte 24-jährige Fernsehmoderatorin Schaima Resaji in Kabul erschossen. Resaji hatte von November vergangenen Jahres bis März die westlich orientierte Musiksendung "Hop" im privaten Kabuler Fernsehsender Tulo TV moderiert. Das Programm geriet in die Kritik radikalislamischer Geistlicher, weil Resaji stets in westlicher Kleidung und ohne verschleiertes Gesicht vor die Kamera getreten war. Der Sender hatte ihr infolge der öffentlichen Kritik vor zwei Monaten gekündigt. (Hamburger Abendblatt vom 19.5.2005)
Wahrecht für kuwaitische Frauen jetzt anwendbar
Das kuwaitische Parlament hat am Montag ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, das den Frauen erstmals das aktive und passive Wahlrecht zugesteht. Für die Kommunalwahlen im Juni kommt aber das Gesetz zu spät. Das Wahlrecht wird erstmals zur Parlamentswahl 2007 zur Anwendung kommen. (der Standard vom 18.5.2005)
60 Jahre Kriegsende
Weltweit wird diese Woche das Ende des 2. Weltkrieges gefeiert. Ein Grund für uns, mit einer Sonderseite nicht nur an die vielen Frauen zu erinnern, die diese Wochen der Befreiung mit Schrecken und traumatischen Erlebnissen verbinden, sondern auch an die Frauen, die in den Kriegsjahren in allen Ländern mißbraucht, vergewaltigt und geschändet wurden. Im Gedenken auch daran, dass diese Taten heute noch für viele Frauen schreckliche Realität sind. (proFRAU vom 9.5.2005)
Globale Dialoge 2005 "Women on Air"
Wer noch nicht hingehört hat: Jeden Dienstag von 13.00 bis 14.00 Uhr gibt es auf Radio ORANGE 94.0 (im Raum Wien auf UKW 94.0 und im Telekabel auf 92.7) interessante und informative Sendungen zu entwicklungspolitischen und interkulturellen Themen, gestaltet von (Neo-)Radiomacherinnen. Die Sendereihe ist dieses Jahr speziell Frauenthemen aus dem Süden gewidmet. Ein Kooperationsprojekt von ORANGE 94.0 und Frauensolidarität. Mehr dazu auf [>www.noso.at]. (proFRAU vom 3.5.2005)
Steinigung in Afghanistan wegen Ehebruchs
Erstmals seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban wurde in Afghanistan in der Provinz Badachschan westlich der Stadt Faisabad wieder eine Frau wegen Ehebruchs zu Tode gesteinigt. Die 29-Jährige sei auf der Grundlage einer Gerichtsentscheidung öffentlich gesteinigt worden, teilte die Polizei mit. Ein Augenzeuge berichtete der Agentur Reuters, die Frau sei von Behördenvertretern und ihrem Ehemann aus dem Haus ihrer Eltern gezerrt und anschließend gesteinigt worden. Der Mann, mit dem sie den Ehebruch begangen habe, sei mit 100 Peitschenhieben bestraft und dann freigelassen worden. Unser Kommentar: Während in Nigeria die Gerichtsurteile über Steinigungen ausgesetzt und nicht vollzogen wurden, ist in Afghanistan erstmalig nach der Amtsübernahme von Hamid Karsai eine Frau gesteinigt worden, ohne dass die Regierung bzw. die Weltöffentlichkeit einschreiten konnte. Ein Indiz dafür, dass die örtlichen Gerichte unabhängig von Kabul agieren und die gewählte Regierung und ihre Instanzen von den örtlichen Machthabern nicht akzeptiert werden. Das ist sicher ein negatives Indiz für die Entwicklung den Landes abseits der Hauptstadt, aber auch ein Gradmesser für die Akzeptanz der Machthaber in Kabul. Um weitere Steinigungen zu verhindern ist es wichtig, diese Tötung international zu thematisieren und nicht hinzunehmen. (Spiegel Online vom 24.4.2005)
Zur Ehe gezwungen: Es geschieht mitten in Wien
Letztes Jahr dokumentierte der Verein Orient Express 184 Fälle von Zwangsheirat in Wien. "Die Dunkelziffer liegt vermutlich wesentlich höher", schätzt Meltem Weiland vom Verein. 99% der von Zwangsheirat Betroffenen sind österreichische Staatsbürger, die meisten von ihnen minderjährig. Trotz der wichtigen Unterstützung für die Betroffenen - die vielen Dienstleistungen und Beratungsgespräche - ist der Verein immer wieder von finanziellen Kürzungen durch den Bund und die Stadt Wien bedroht. Mehr zum Thema [Zwangsheirat]. (Die Presse vom 19.4.2005)
Kuwait: Parlament stimmt Frauenwahlrecht zu
Nach jahrelanger Kontroverse hat das kuwaitische Parlament am Dienstag der Einführung des Frauenwahlrechts zugestimmt. In erster Lesung votierte eine knappe Mehrheit der Abgeordneten für einen Antrag, mit dem den Bürgerinnen des Emirats das aktive und passive Wahlrecht für die Kommunalwahl im Oktober eingeräumt werden soll. Eine zweite Abstimmung soll in zwei Wochen stattfinden. (dieStandard vom 19.4.2005)
SexArbeit - gesellschaftspolitische Bedeutung
Der Verein LEFÖ - Bildung, Beratung und Begleitung für Migrantinnen - lädt zum 10. Fortbildungsseminar ein, vom 23. bis 25. Juni 2005 in das Schloss Puchberg/Wels. Thema ist SexArbeit und deren gesellschaftspolitische Bedeutung. Aufgrund der aktuellen Diskussionen und der Tendenz zu verdrängen, zu moralisieren und zu kriminalisieren ist es den Veranstalterinnen wichtig, mit Fachpublikum die gesellschaftspolitische Bedeutung und die Realität der Sexarbeit zu beleuchten und zu diskutieren. Anmeldung und Rückfragen an [LEFÖ]. (Aussendung LEFÖ vom 18.4.2005)
Nike ins Schwitzen geraten
Der Sportartikelhersteller gibt nur erstmals öffentlich zu, dass die Herstellung seiner Produkte überwiegend in prekären Arbeitsverhältnissen stattfindet. Nach einer Veröffentlichung von Nike sind in bis zu 50 Prozent der Betriebe in Südasien der Zugang zu Toiletten und Trinkwasser während der Arbeitszeit beschränkt. In mehr als der Hälfte der 700 Produktionsstätten arbeitet die Belegschaft mehr als 60 Stunden in der Woche. (Kommentar: Es ist eine Tatsache, dass die Angestellten überwiegend Frauen sind, die nicht nur sexistischen Angriffen ausgesetzt sind, bei Schwangerschaften gekündigt werden und jeden Toilettenbesuch "anmelden" müssen, sondern auch, dass sie trotz Unmengen geleisteter Arbeitsstunden kaum genug verdienen, um sich und ihre Familien zu ernähren). (TAZ vom 16./17.4.2005)
Buchtipp: Die fremde Braut
Necla Kelek schildert in ihrem Buch das Leben der "Importbräute" in Deutschland und fordert die PolitikerInnen Deutschlands auf, die Zwangsverheiratung von Mädchen und Jungen nicht als kulturelle Eigenheit zu akzeptieren. Anhand ihrer eigenen Familiengeschichte schildert sie die Entwicklung der modernen Türkei, erklärt die Stellung der Frau in der Gesellschaft, den Einfluss der Religion und befragt betroffene Frauen in Deutschland. Sie stellt einen Forderungskatalog auf, der Zwangsverheiratungen aufdecken und verhindern soll, und fordert von beiden Seiten den Willen und die Möglichkeiten zur Integration. Erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln. (proFRAU vom 3.4.2005)
Frauen-Fakten - Frauenvernetzungstag
Am Samstag, 2.April 2005, findet von 14 - 20 Uhr in der VHS Ottakring ein Frauenvernetzungstag statt. Interessierte können sich an Infotischen, in Themenräumen, bei Impulsreferaten und Vorträgen über die vielseitige Arbeit von Frauenorganisationen informieren. Nähere Infos unter [>www.remaprint.at (Veranstaltungen >> Frauen-Fakten)]. (Remaprint vom 16.3.2005)
Veranstaltungshinweis: Interkulturelle Kompetenzen
Ein Seminar "Karrierestrategien für Frauen in internationalen Unternehmen und Organisationen" findet vom 12. - 15. Mai 2005 an der Donau-Universität Krems statt. Ziel ist, das "Empowerment" von Frauen in international ausgerichteten Unternehmen und Organisationen. Vier anerkannten Expertinnen konnten als Referentinnen gewonnen werden: Dr. Edit Schlaffer, Dr. Vlasta Jalusic, Claudia Daeubner und Dr. Sabine M. Fischer planen mit den Teilnehmerinnen konkrete Schritte für die Entwicklung ihrer Karriere und gehen auf die Frage der Work-Life-Balance in einem internationalen Arbeitsumfeld ein. Mehr Infos dazu unter [> http://www.donau-uni.ac.at/de/studium/fachabteilungen/kultur/news/index.php] (Aussendung vom 20.3.2005)
Frauen zwischen den Fronten
Vor drei Jahren wurde Ingrid Betancourt in Kolumbien von Paramilitärs entführt. Sie wollte Präsidentin werden und den Bürgerkrieg in ihrem Land beenden. Wie sie leiden viele Frauen unter der Gewalt des Krieges. Die Frauen haben praktische keine Möglichkeiten, sich in Fällen häuslicher Gewalt und sexuellem Missbruch zu wehren, da die Vorfälle meist in ländlichen Gebieten stattfinden, und gerade dort keine rechtsstaatlichen Strukturen herrschen. Seitens der kolumbianschen Regierung fehlt der politische Wille, die Gewalt gegen Frauen einzudämmen. "So wurde bei der letzten Strafrechtsreform der Bereich häusliche Gewalt in das Familienrecht überstellt. Damit unterliegen verschiedene Delikte der interfamiliären Gewalt nicht mehr dem Strafrecht.", so Helena Pérez, Sekretärin der Arbeitsgemeinschaft "Frauen und bewaffneter Konflikt". (Welt der Frau vom März 2005)
Dubai: Schwangere wird ausgepeitscht
Ein Islamisches Gericht in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat eine Hausangestellte zu 150 Peitschenhieben verurteilt, weil sie unverheiratet schwanger geworden ist. Die in Dubai erscheinende Zeitung "Gulf News" berichtete, die Frau weigere sich, die Identität des Vaters preiszugeben. (ORF Teletext vom 14.3.2005)
Ganzer Lohn statt halber Sachen
Am Internationalen Frauentag starteten die ÖGB-Frauen eine Postkartenaktion zur Beseitigung der Einkommensschere. Bei gleicher Qualifikation verdienen Frauen immer noch um rund 40% weniger als ihre männlichen Kollegen. Lange "Babypausen" und Teilzeitphasen wirken sich besonders negativ auf die Einkommen der Frauen aus. Die Fakten:
"In unserer Postkartenaktion fordern wir die beiden MinisterInnen auf, für den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, für eine Qualifizierungsoffensive für Wiedereinsteigerinnen und für mehr Vollzeitarbeitsplätzen zu sorgen", sagte Csörgits. (Mehr Infos unter [>www.oegb.at >> Frauen]) (Wiener Zeitung und ÖGB Solidarität vom 8.3.2005)
Schweiz: Frauen per Gesetz in den Aufsichtsrat?
Drei von zehn Aufsichtsräten in Schweizer Staatskonzernen sollen künftig Frauen sein. Mit einer Stimme Mehrheit beschloss der Schweizer Nationalrat, dass in den Aufsichtsräten der Staatskonzerne eine 30-prozentige Frauenquote gelten soll. Der Rechtsausschuss arbeitet nun ein Gesetz aus, das dann noch einmal durch Nationalrat und Ständerat abgesegnet werden soll. Als keine geeignete Lösung qualifiziert Theresa Philippi die Quotenregelung. Sie setzt auf Mentoring. Einen anderen Weg geht die deutsche Familienministerien, Renate Schmidt. Sie lancierte jüngst den "Gender-Dax". In diesem Index werden Firmen nach ihrer Frauenfreundlichkeit bewertet. (Die Presse vom 8.3.2005)
Gewalt an Frauen bei Demonstration in der Türkei
Zum 8.3.2005, dem Internationalen Frauentag, fand in Istanbul eine Demonstration statt, bei der die Frauen mehr Rechte für sich forderten. Die Demonstration wurde durch Sicherheitskräfte aufgelöst, wobei besondern die angewandte Gewalt gegen die Demonstrantinnen erschreckend war. Tritte gegen den Körper, Schläge und das brutale Vorgehen entsetzte die Weltöffentlichkeit. Unser Kommentar: Die freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht, und öffentliche Demonstrationen gehören zu einer gut funktionierenden Demokratie. Letztere scheint in der Türkei nicht ausreichend entwickelt zu sein. Doch die Türkei darf nach den letzten Verhandlungen schon mit einer Aufnahme in die EU rechnen, und kümmert sich anscheinend schon im Vorfeld nicht mehr so sehr um Demokratisierungsprozesse. Wurde auch hier die strikte Forderung nach Beachtung und Einhaltung der Menschenrechte der Prosperität und den künftigen Erträgen aus dem neuen Wirtschftsraum Türkei, den militärischen Kooperationen und strategischen Allianzen geopfert? (OTS0211/ 0220 vom 8/9.3.2005)
Eindrücke zum Internationalen Frauentag 2005 - Kommentar
Die Aussendungen der frauenpolitischen Sprecherinnen aller Parteien haben uns nachdenklich gemacht, denn wir haben keinen Grund zum Jubeln gefunden. Gut, der Internationale Frauentag, ist ein Tag im Gedenken an die historische Diskriminierung der Frauen und an den Kampf um Gleichberechtigung, dennoch haben wir noch einen weiten Weg vor uns:
(proFRAU zum 8.3.2005)
Kopftuchverbot an österreichischen Schulen - Kommentar
"Aus heiterem Himmel" - möchte Frau fast sagen - beginnt nun auch in Österreich die Diskussion um ein Kopftuchverbot dank Innenministerin Prokop. Wir von proFRAU haben es uns bisher versagt, einen Kommentar zur Kopftuchdiskussion anzubringen, und das aus gutem Grund. Einen einfachen Ansatz gibt es nicht: Die Rechnung "Kopftuchträgerin" = religiöse Fanatikerin = integrationsunwillige Migrantin = rückschrittliche Zuwanderin ist genau so wenig zulässig wie "keine Kopftuchträgerin" = moderne Moslemin = integrierte Bürgerin und aufgeschlossene Migrantin. Wie in vielen Fällen gibt es eine breite Grauzone, und nicht zuletzt ist das Kopftuch für junge Mosleminnen ein modisches Teil. Und nun, dank wiederkehrender (un)-sachlicher Diskussionen, ist es auch ein Symbol des Widerstandes gegen Bevormundung durch Behörden und den Gesetzgeber geworden. Nachdem die Diskussion nun schon begonnen hat, unsere Meinung dazu: Entweder alle religiösen Zeichen aus der Schule entfernen, oder alle zulassen, denn in Österreich gibt es (noch) Religionsfreiheit. (OTS0199 vom 8.3.2005)
Gedanken zum Augustin-Kalender - Kommentar
Schon spät im Jahr überlege ich mir nun doch, noch einen Bildkalender zuzulegen. Da kommt mir der Augustin-Verkäufer gerade recht, der mir noch einen Kalender anbietet, und eine gute Sache unterstütze ich immer gerne. Doch nun bin ich leicht frustriert, denn neben Osterhasen im März, Schäferhunden mit Augustin im Juni und biertrinkendem Mann im Juli suche ich vergeblich die sichtbare Darstellung der weiblichen Obdachlosen, Biertrinkerin oder Augustinverkäuferin. Ist Obdachlosigkeit männlich? Nein, keineswegs, nur offensichtlich wieder einmal sichtbarer (gemacht) als die weibliche. Ich nehme mir vor, den nächsten Beitrag auf unseren Seiten der weiblichen Obdachlosigkeit zu widmen! Und, liebe Augustin-Kalender ProduzentInnen, es wäre natürlich nett, wenn Euer Kalender nächstes Jahr auch Einblick in die weibliche Obdachlosigkeit bietet. (Gabi Frimberger) (proFRAU vom 28.2.2005)
Wenn das Familiengericht tagt
[...] Hatun Sürücü ist aller Wahrscheinlichkeit nach gestorben, weil der Familienrat zusammengetreten war und ihren Tod beschlossen hatte: In Istanbul war sie mit 16 Jahren mit einem Cousin zwangsverheiratet worden, hatte sich dann in Deutschland scheiden lassen, den Beruf der Elektroinstallateurin gelernt und sich als Alleinerziehende um ihren fünfjährigen Sohn gekümmert. In der Boulevard-Presse hieß es, sie habe "viele Männerbekanntschaften" gehabt, sei gerne ausgegangen und habe viel gelacht. Die Todesstrafe ist dafür in Deutschland nicht vorgesehen. Auch wenn die Schuld der Brüder noch nicht erwiesen ist, Beifall ist ihnen bereits gewiss: Der fassungslose Schulleiter der Berlin-Neuköllner Thomas-Morus-Oberschule sah sich genötigt, einen offenen Brief zu verfassen, weil "einige Schüler unserer Schule den Mord an der jungen Frau gut finden und sich an der allgemeinen Hetze und an Aktionen gegen Frauen, die nicht so sind, wie sie sein müssen, beteiligen". Offensichtlich, wenn auch verschämt unausgesprochen, waren die türkisch- oder arabischstämmigen Jugendlichen der Ansicht: die Frau hat sich wie eine Deutsche benommen - selbst schuld. Hatun Sürücü war eine Deutsche und wollte so leben wie eine Deutsche, nämlich emanzipiert, frei, westlich. [...] (aus einem [>Bericht der TAZ (die Tageszeitung))]. (TAZ vom 22.2.2005)
Ehrenmord in Berlin
Der Mord an der jungen Frau fand bereits am 7. Februar auf offener Straße in Berlin statt. Die 23-jährige Hatin Sürücü, aufgewachsen als Berlinerin türkisch-kurdischer Herkunft, war mittels Telefonanruf aus ihrer Wohnung gelockt und erschossen worden. Die Polizei geht jetzt von einem Verdacht auf eine Hinrichtung aus, herrührend von moralisch-geprägter Familienschande. "Ehrenmord" werden solche Taten auch genannt, wenn insbesondere Töchter aus den traditionellen Familienverbänden ausscheren. Hinzukommender Beifall von türkisch-stämmigen Schülern einer Hauptschule im Stadtteil Neu-Kölln über die Tötung hat inzwischen den Rektor der Schule entsetzt. Mit entsprechenden Strafen drohte er, für diese Art von "Hetze und Respektlosigkeit". (Stern shortnews vom 19.2.2005)
Iranerin soll aus Deutschland abgeschoben werden
Die Abschiebung der Iranerin Zahra Kameli aus Goslar ist in letzter Minute vorläufig gestoppt worden. Ein Behördenarzt habe der 25-jährigen Reise- und Haftunfähigkeit bescheinigt, erklärte Kai Weber vom niedersächsischen Flüchtlingsrat am Freitag. Sie stehe unter Schock und sei in Panik. Im seit Jahresbeginn geltenden Zuwanderungsgesetz wird geschlechtsspezifische Verfolgung erstmals in Deutschland als Fluchtursache anerkannt. Trotzdem soll in Niedersachsen die Iranerin abgeschoben werden, der in ihrer Heimat wegen "Ehebruchs" die Steinigung droht. Die Frau hatte sich im Kreis Goslar von ihrem Mann getrennt und in Göttingen evangelisch taufen lassen. Nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen drohen ihr im Iran wegen Ehebruchs und wegen des Übertritts zu einer anderen Religion drastische Strafen, wenn nicht gar die Steinigung. (NDR Online vom 10.2.2005)
Die niederschwellige Beratungsstelle für Sexarbeiterinnen "Sila" steht vor dem AUS
Die Arbeit der niederschwelligen Beratungsstelle in Wien-Fünfhaus wird mit 15.März eingestellt. Das Nachfolgeprojekt ist das bewilligte equal II Projekt der Volkshilfe Wien, ein Umstiegsprojekt für Sexarbeiterinnen. Da 60-80% der Sexarbeiterinnen in Wien Migrantinnen sind, kann dieses equal II Projekt die niederschwellige Beratung nicht ersetzen. Grund: für viele von ihnen ist ein Um- oder Ausstieg aus der Prostitution schon aus fremdenrechtlichen Gründen meist nicht möglich. Univ.-Prof.in Birgit Sauer vom Institut für Politikwissenschaft in Wien - zuständig für die begleitende wissenschaftliche Evaluation der Beratungsstelle - betont, "dass wesentlich für den Erfolg von SILA war, dass die Beratung offen, anonym, leicht zugänglich und nicht moralisierend gewesen ist." (Aussendung von Lefö vom 9.2.2005)
Frauenmorde in Guatemala
Nach Angaben der Guatemala Human Rights Commission/USA wurden allein im letzten Monat 36 Frauen ermordet. Die Organisation beobachtet im Januar eine Steigerung von 64% im Vergleich zum Vorjahr. Nicht nur der dramatische Anstieg in den Zahlen ist alarmierend, auch die zunehmende Brutalität in der Ausführung der Morde. Die Regierung hat hingegen Mitte Januar die Zahl der Beamten, die mit der Aufklärung beschäftigt waren, von 22 auf 5 gekürzt. Das Argument: die Untersuchungsbeamten werden für die Aufklärung der Morde an Männern benötigt. Auch diese Zahl hat dramatische Ausmaße erreicht. Die Menschenrechtsorganisation beschuldigt die Regierung, zu wenig für die Aufklärung der Morde zu tun. (Newsletter Guatemala Human Rights Commission/USA vom 3.2.2005)
"Null Tolerenz gegenüber Genitalverstümmelung" Kommentar
Anläßlich des 6. Februar, dem "International Day of Zero Tolerance to FGM" (Internationaler Tag von Null Toleranz gegenüber Genitalverstümmelung) haben viele Politikerinnen die Wichtigkeit der Arbeit gegen diese Menschenrechtsverletzung an Frauen betont. Es ist erfreulich, dass dieses Thema in den letzten Jahren immer mehr im öffentlichen Bewusstsein präsent ist, denn nur so gibt es die Möglichkeit und die finanziellen Zuwendungen, um den betroffenen Frauen hier in Österreich Beratung und Hilfe zuteil werden zu lassen. Es wäre schön, wenn diese Aufmerksamkeit auch anderen Menschenrechtsverletzungen an Frauen in gleichem Maße und in der gleichen Einstimmigkeit zuteil werden würde. (proFRAU vom 6.2.2005)
Deutschland: Müttern droht Sorgerechts-Entzug im Falle von "Beschneidungen" und ÄrztInnen ein Berufsverbot
Einem Grundsatzurteil des deutschen Bundesgerichtshofs folgend darf Müttern aus afrikanischen Ländern das Sorgerecht für ihre Töchter eingeschränkt werden, falls den Mädchen bei einem Urlaub im früheren Heimatland eine dort übliche Verstümmelung der Genitalien droht. Das Urteil erging im Fall einer Mutter aus Gambia, wo je nach Ethnie bis zu 90 Prozent aller Mädchen vor oder mit Einsetzen der Pubertät beschnitten werden. Es wurde bereits gegen ÄrztInnen in Deutschland ermittelt, die solche Verstümmelungen für hohes Honorar vorgenommen haben sollen. Bei einer Verurteilung müssen ÄrztInnen mit Haftstrafen wegen Körperverletzung und Berufsverbot von bis zu fünf Jahren rechnen. (diestandard vom 26.1.2005)
Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi droht Haft
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin wird von der Justiz unter Druck gesetzt und wurde bei Gericht vorgeladen. Anlass war eine Pressekonferenz mit früheren Häftlingen, die über Isolationshaft, Folter und erzwungene Geständnisse berichteten. Ohne sich durch die Attacke der Justiz einschüchtern zu lassen, nahm Ebadi an dieser Konferenz teil. "Dieses ist das erste Mal, dass wir Dissidenten öffentlich vorstellen, deren unveräußerliche Rechte als politische Gefangene verletzt wurden", sagte sie. Die Vorladung Ebadis hat nicht nur in Iran, sondern auch im Ausland scharfe Proteste hervorgerufen. (TAZ Online vom 22.1.2005)
Naturkatastrophe darf keine menschenrechtliche Katastrophe für Frauen werden
Frauen und Mädchen, insbesondere in den großen Flüchtlingslagern der Tsunami-Katastrophengebiete in Südostasien, sind in hohem Ausmaß sexualisierten Übergriffen ausgesetzt. Das meldet die Hilfs- und Frauenrechtsorganisation medica mondiale mit Sitz in Köln unter Berufung auf CATAW (Coalition for Assisting Tsunami Affected Women), einem Tsunami-Hilfsbündnis von Frauenorganisationen in Sri Lanka. In einem Bericht von CATAW heißt es, Binden, Unterwäsche, BHs würden von ausschließlich männlichem Personal in den Flüchtlingslagern oftmals öffentlich und mit anzüglichen Bemerkungen verteilt. Männer, auch Verantwortliche für die Lager, nutzen die nächtliche Dunkelheit, um schlafende Frauen auf übergriffige Weise anzufassen. Auch von Vergewaltigungen wird berichtet. Mehr Infos auf [>www.medicamondiale.org]. (medica mondiale vom 19.1.2005)
140.000 Frauen bereits sieben Jahre unter der Armutsgefährdungsschwelle
"70% der Bezieher von Ausgleichszulagen sind Frauen. Mit 1.1.2005 leben 200.000 Alleinstehende, die Anspruch auf Ausgleichszulage haben, seit 7 Jahren weit unter der von der Bundesregierung beschlossenen Armutsgefährdungsschwelle", erklärte der Bundesobmann des Österreichischen Seniorenbundes, Stefan Knafl. Sie gehören der Aufbaugeneration an und haben wesentlich zum Wiederaufbau der Heimat und zur Erreichung des heutigen Wohlstandes beigetragen. Besonders für Frauen, welche vor dem 1.1.1956 Kinder geboren haben, gibt es keine Möglichkeit einer Anrechnung von Kindererziehungszeiten. Der Österreichischen Seniorenbund setzt sich daher für die Erhöhung des Richtsatzes für Alleinstehende ein. (OTS0037 vom 10.10.2005)
Gleicher Lohn in Frankreich
Männer und Frauen sollen in Frankreich nach dem Willen von Staatschef Jacques Chirac für dieselbe Arbeit spätestens 2010 auch das gleiche Entgelt erhalten. Dazu will der Präsident einen Gesetzentwurf vorlegen, um die Diskriminierung der Frauen abzubauen. Die Straßburger "DERNIÈRES NOUVELLES D'ALSACE" (DNA) kritisieren den Vorstoß des französischen Präsidenten Jacques Chirac, bis 2010 gleiche Bezahlung für Männer und Frauen bei gleicher Arbeit durchzusetzen: "Ein Gesetz mit Zielen auf fünf Jahre versprechen, heißt, sich quasi dazu verpflichten, im Moment nichts zu tun. Indem Jacques Chirac die Regierung ersucht, ein für allemal die Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen gesetzlich zu regeln, proklamiert er ein konsensfähiges Ziel, das jedoch nicht Gefahr läuft, realisiert zu werden. (Saar-Echo Online vom 6.1.2005)
Frauen im Irak
Islamistische und nationalistische Rebellengruppen setzen die Gewalt gegen Frauen fort. Islamische Milizen zwingen Frauen zur Verhüllung, halten Mädchen vom Schulbesuch ab und bedrohen Frauen, die sich ihrem Zwangsregime widersetzen. Im September 2003 wurde Aqila al-Hashimi, eine der damals drei Frauen im Regierungsrat, ermordet, im März 2004 starb die amerikanische Frauenrechtlerin Fern L. Holland bei einem gezielten Anschlag. Frauenaktivistinnen, Richterinnen und Anwältinnen, Journalistinnen und Lehrerinnen, die in der Öffentlichkeit auftreten, werden regelmäßig bedroht. Zu Opfern der Gewalt werden auch Frauen, die mit der Koalitionsverwaltung "kollaborieren", wie vier Wäscherinnen, die in Bagdad im Januar 2004 ermordet wurden. Das Klima allgemeiner Angst und Gewalt in den Unruheregionen trifft Frauen auf vielfältige Weise. Frauen und Mädchen trauen sich in diesen Gebieten vielfach nicht, das Haus zu verlassen, werden vom Schulbesuch abgehalten. [>www.hagalil.com/archiv/2004/11/frauen.htm] (proFRAU vom 9.1.2005)
Frauenmorde in Guatemala
Während die Öffentlichkeit dank engagierter Frauen und Männer über die Frauenmorde in Ciudad Juarez sensibilisiert und informiert ist, und dank dieses Engagements nun im letzten Jahr eine neue Staatsanwältin eingesetzt wurde, bleibt das Morden an Frauen in Guatemala nahezu unkommentiert. Seit rund 3 Jahren wird ein beängstigender Anstieg von Frauenmorden registriert, im Zeitraum zwischen Januar 2001 und Februar 2004 zählte man 1049 Frauenopfer. Frauen, die den Morden zum Opfer fallen, stammen meist aus ärmeren Verhältnissen, sind Hausfrauen, Arbeiterinnen, Studentinnen, junge Mädchen. Es sind Menschen, die im Wertesystem der Gesellschaft ganz unten eingeordnet werden und dadurch wenig Unterstützung und Aufmerksamkeit haben. Auch in Guatemala wird vermutet, dass einflussreiche Personen an diesen Morden beteiligt sind. Ernstzunehmende Untersuchungen gibt es bisher nicht. (proFRAU vom 5.1.2005)
Frauenarmut
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Die Bekämpfung der Frauenarmut in Österreich wird auch 2005 ein Schwerpunkt des Ministeriums für Gesundheit und Frauen (BMGF) sein. Im laufenden Jahr wurden 123.000 Euro Fördermittel an Vereine vergeben, die Maßnahmen gegen Frauenarmut setzen. Kommentar: Selbst auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen, ein strukturelles Problem wie die Frauenarmut, kann weder mit Spenden Richtung Caritas noch mit einer Förderung von Projekten, die zudem meist keine langfristige Finanzierungszusagen haben, gelöst werden. Notwendig sind gleiche Chancen für Frauen, und dazu gehören ausreichend Betreuungsstätten für Kinder, flexible Arbeitszeiten (hier nicht im Sinne des Arbeitgebers, sondern im Sinne der Mutter bzw. des Vaters als ArbeitnehmerIn) sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. (proFRAU vom 5.1.2005)
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