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{THEMA}Veranstaltungen

{KAPITEL}Judith Galarza in Wien (11.3. bis 13.3.2004)

{TEXT}

Gewalt gegen die Frauen in Ciudad Juárez, Mexiko

Die mexikanische Menschenrechtsaktivistin Judith Galarza war vom 11.3. bis 13.3.2004 in Wien, um über die Situation der Frauen in Ciudad Juárez und über die unaufgeklärten Morde an rund 370 Frauen zu berichten. Judith Galarza forderte in ihrer Rede die internationale Staatengemeinschaft zur Solidarität und zum Handeln auf. Nur mit verstärktem internationalen Druck wird es möglich sein, die Täter zu finden und zu verurteilen und die Frauen und Mädchen vor Gewalt und Morden zu schützen.

Judith Galarza zur Situation in Ciudad Juárez (die Stellungnahme wird hier gekürzt wiedergegeben, die kompletten Unterlagen können Sie unter [@office@proFRAU.at] anfordern):

{ZITAT}

[...] In der mexikanischen Grenzstadt zu den USA, Ciudad Juárez, wurden in den letzten 10 Jahren über 370 Frauen - hauptsächlich Fabrikarbeiterinnen - bestialisch misshandelt und ermordet. Keiner Behörde, NGO oder internationalen Kampagne ist es bisher gelungen, diese Morde aufzuklären oder zu verhindern.

An Ursachen und Ursprüngen sind hervorzuheben, dass sich in Ciudad Juárez seit dem Freihandelsabkommen aus den 90er-Jahren rund 2500 Maquiladoras (Fabriken (Anm.)) angesiedelt haben. Es arbeiten ca. einer Million ArbeiterInnen in diesen Fabriken. Für diese Maquiladoras wurde ein Gebiet geschaffen, in dem die Arbeitsrechte nicht eingehalten und keine Steuern vom Bundesstaat Chihuahua erhoben werden. Große Menschenmassen wandern vom Landesinneren an die Grenzen. Sie versuchen, entweder illegal die Grenze zur USA zu überqueren, oder Arbeit in den Maquiladoras zu finden. Dadurch ergab sich ein Bevölkerungsanstieg im Verhältnis 1:7 von den 70er-Jahren bis heute. Der Bundesstaat Chihuahua sorgt nicht dafür, dass die Grundbedürfnisse bezüglich Infrastruktur, Bildung, Gesundheit, Freizeit und Wohnung gedeckt sind. Die sozialen Probleme wie Kriminalität, Prostitution und Drogenkonsum steigen. Das Drogenkartell von Juárez wird heute als das größte der Welt bezeichnet.

Es ist offensichtlich, dass sich die gravierenden sozialen Probleme in Gewalt gegen Frauen ausdrücken, wie es auch in anderen Gesellschaften zu beobachten ist. Wir glauben, dass die Straflosigkeit das zentrale Element ist, das die Herrschaft der organisierten Kriminalität über den Staat Chihuahua ermöglicht. Mit großer Beunruhigung sehen wir, dass Druck auf die Familienangehörigen und Organisationen ausgeübt wird. Sie werden diskriminiert, gedemütigt, an Leib und Leben bedroht, und sind Opfer von Verleumdungskampagnen mit dem Ziel, sie einzuschüchtern und Nachforschungen von ihrer Seite zu verhindern.

FEDEFAM (Federación Latinoamericana de Asociaciones de Familiares de Detenidos-Desaparecidos) fordert die Exhumierung der Frauen, um den Hinweisen auf mächtige Personen, die an den Verbrechen beteiligt sein sollen, nachzugehen.

FEDEFAM fordert die internationale Gemeinschaft auf, die Morde als schwere Menschenrechtsverletzung zu verurteilen, die Aufklärung der Morde zu unterstützen und Verstöße der Polizei gegen Menschenrechte - auch im eigenen Land - zu untersuchen. [...]

{ZITATENDE}

Die mexikanische Botschaft in Österreich hat kürzlich eine neue Information zur Situation der Frauen in Ciudad Juárez herausgegeben, in der die Maßnahmen der Regierung zusammengefasst werden. Auch wurde im Januar 2004 eine Sonderstaatsanwältin, María López Urbina, eingesetzt, die für die Ermittlung in den Mordfällen verantwortlich ist. Die mexikanische Regierung bekräftigt im Bericht ihre Bereitschaft, die Frauenmorde aufzuklären.

Zur Person:

|:Judith Galarza am Rednertisch, fotografiert zwischen zwei Zuhörerinnen durch.:|
(Foto: © C.C.Amsuess )

Judith Galarza ist die Familienangehörige eines der ersten Opfer in Ciudad Juárez: ihre Schwester wurde 1978 ermordet. Damals waren die Morde eher politisch motiviert. In dieser Zeit gründete sie eine Organisation der Familienangehörigen: "Comité Independiente de Chihuahua Pro-Defensa de Derechos Humanos" (CICH - Unabhängiges Komitee für die Verteidigung der Menschenrechte in Chihuahua), die älteste existierende Organisation vor Ort, welche inzwischen der FEDEFAM (Federación Latinoamericana de Asociaciones de Familiares de Detenidos-Desaparecidos) angegliedert ist. FEDEFAM ist eine lateinamerikanische Organisation von Familienangehörigen von verschwundenen / verschleppten / ermordeten Personen, die sich inzwischen auf Afrika und Asien ausweitet. Judith Galarza ist gegenwärtig Generalsekretärin von FEDEFAM.

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