|
|:
(Logo: hellblaue Schrift auf rotbraunem Hintergrund) :|
|
{THEMA}Veranstaltungen{KAPITEL}Starke Frauen aus Afghanistan in Wien (29.11.2005) |
|
{MENUE}
{BITTE}
|
{TEXT}
Starke Frauen aus Afghanistan in Wien (29.11.2005)Am 29.11.2005 fand ab 19 Uhr im Renner-Institut, 1120 Wien, Khleslplatz (Eingang: Hotel Altmannsdorf, Hoffingerg. 26-28) eine Veranstaltung mit Diskussion zum Thema "Starke Frauen aus Afghanistan" statt.
|:
(Foto: © C.C.Amsuess)
Bericht zur Veranstaltung
|:
:|
Parwin Dost (r.i.B.), Vize-Direktorin einer Mädchenschule in Afghanistan, hat derzeit rund 10.000 Schülerinnen mit ihren Kolleginnen zu betreuen. Der Bildungshunger der Mädchen ist enorm und so groß, dass die vorhandenen Klassenräume nicht ausreichen. Derzeit wird auch in 26 Zelten mit je zwei Klassen im Drei-Schicht-Betrieb unterrichtet. Die Lehrmittel bringen die Lehrerinnen teilweise selbst mit: für die Grundschule Reis und Streichhölzer zum Rechnen, Bildtafeln werden selbst erstellt. "Die Organisation so vieler Schülerinnen funktioniert nur, weil alle Lehrerinnen mit anpacken" so Parwin Dost. Der Wunsch, auch nach der Grundschule weiter zu lernen, ist groß. Viele Schülerinnen wollen Ärztinnen oder Rechtsanwältinnen werden, um ihrem Land zu helfen, aber auch, um einer frühzeitigen Zwangsverheiratung zu entgehen. Rund 80% der Ehen in Afghanistan werden von den Eltern arrangiert. Welche Aussichten haben die Mädchen, wenn sie sich der Zwangsverheiratung widersetzen? "Keine", so Parwin Dost. Das Leben ist nur in und mit den Familien möglich. Alternativen, wie Studentinnenheim oder Mädchenheime gibt es keine. Wie sieht die Situation in ländlichen Gebieten im Nordosten oder Südosten des Landes aus? Aus Sicherheitsgründen arbeiten in diesen Regionen nur wenige NGOs, wenn überhaupt. Hier ist Zerka Malyar mit ihrer Organisation "GURAF" tätig. In der Provinz Laghman wurde nun, mit finanziellen Mitteln aus Österreich, die erste Mädchenschule eröffnet. Jetzt fehlt es an Lehrerinnen dort, denn von Männern dürfen die Mädchen nicht unterrichtet werden, darauf achten die Eltern. "Aufgrund der Sicherheitslage ist es schwierig, Lehrerinnen für diese entlegenen Orte zu gewinnen." Mit erhöhten Gagen hofft Zerka Malyar auch Frauen als Lehrkräfte für diese Orte gewinnen zu können. Zerka selbst reist mit einem bewaffneten Begleiter in diese Regionen. Auf die Frage, wie sie denn von den durchwegs männlichen Vertretern der Behörden aufgenommen werde, meint sie: "Durchwegs sehr positiv. Sie schätzen mein Engagement, und ich bin sehr stolz, dass ich ihnen zeigen kann, was eine Frau schaffen kann".
|:
:|
Ganz anders ist das Arbeitsgebiet von Zakia Haidari (r.i.B.) im staatlichen afghanischen Fernsehen. Seit 3 Jahren ist sie für die Sendung "Frauen und Gesellschaft" verantwortlich und packt mit ihren Sendungen immer gesellschafts- und frauenpolitische Themen an. Dazu gehören Beiträge zur Situation der Frauen in den Krankenhäusern, der Rückkehrerinnen aus Pakistan, Zwangsverheiratung, aber auch Beiträge über Frauen in Ausbildung und über Frauen im Kontrollraum des Flughafens. Ihren Platz als verantwortliche Redakteurin musste sie sich erst erkämpfen. Die Verantwortlichen konnten sich nicht vorstellen, dass eine Frau diese Arbeit leisten könnte. Zakia: "Ich nehme mir viel Zeit für die Vorbereitung der Beiträge, besuche die Frauen zwei Tage vorher und baue dadurch ein Vertrauensverhältnis auf. Dadurch entstehen bessere Beiträge". Sie erntet viel Lob für ihre Arbeit, doch auch viel Kritik und Drohungen verantwortlicher, wenn sie z.B. Missstände in staatlichen Betrieben aufzeigt. Davon lässt sie sich jedoch nicht einschüchtern und engagiert sich auch weiter für eine Verbesserung der Lebenssituation der Frauen. Gerade die fehlenden Perspektiven für Frauen in Afghanistan war der Grund, dass die Filmemacherin Elke Jonigkeit das Hilfsprojekt "NAZO" in Kabul gründete. Als sie 2002 zurück nach Afghanistan kam, waren kaum Hilfsprojekte erkennbar. Jetzt drängen sich Hunderte von NGOs in Kabul, doch Projekte, die Hilfe zur Selbstständigkeit leisten, gibt es wenige. "Die Frauen können sich im öffentlichen Raum kaum bewegen. Dadurch gibt es viele Projekte in einem geschützten Frauenraum. Das funktioniert nur, solange die Gelder dafür vorhanden sind", kritisiert Elke. "Wir haben jetzt Frauen als Schneiderinnen ausgebildet und bieten Hilfe zur Selbsthilfe". Einige Frauen haben jetzt in einem belebten Geschäftszentrum von Karte-nau drei Läden eingerichtet. Ein mutiger Entschluss in einem Land, in dem jede selbstständige Geschäftstätigkeit einer Frau auch heute nicht üblich ist. Zum Abschluss der Veranstaltung zeigten wir den Film "Frauen mit nie gehörtem Namen" von Elke Jonigkeit aus dem Jahr 1986. Unser Dolmetscher war Nurullah Ebrahimy. Zur Nachlese: Ausführlich berichtet wurde am 30.11.2005 im Ö1 Mittagsjournal und am 2.12.2005 in "Die Presse". Im "Kurier" vom 1.12.2005 gab es einen kurzen Beitrag. Unsere Gäste im KurzporträtGäste aus Afghanistan waren Frauen, die sich am Aufbau von Afghanistan aktiv beteiligen, Hilfsorganisationen gegründet haben, Fernsehsendungen zum Thema "Frauen & Gesellschaft" gestalten und den Aufbau und die Veränderungen von einer "Innenansicht" kommentieren konnten.
|:
:|
Parwin Dost ist Lehrerin und stellvertretende Direktorin einer großen Mädchenschule in Kabul, und bietet einmal wöchentlich eine Gesprächsrunde zu allgemeinbildenden Themen an. Sie gibt Alphabetisierungskurse und ist für die Weiterbildung der Frauen in Verein NAZO - Cooperation of Afghan Women in Afghanistan und die Beratung der Auszubildenden zuständig.
|:
:|
Zakia Haideriist Journalistin und Redakteurin des Frauenprogramms des afghanischen Fernsehens "Frau & Gesellschaft".
|:
:|
Zerka Malyar ist Juristin und Gründerin des Vereins GURAF im September 2002 gemeinsam mit afghanischen und österreichischen Frauen. Seit Gründung realisierte der Verein drei Hebammenprojekte in den Provinzen Jalalabad, Laghman und Badakhshan in denen insgesamt 116 Frauen als Hebammen ausgebildet wurden. Es wurde eine große Schule, für Mädchen in der Provinz Laghman mit Mittel des Bundes gebaut, die heuer im Juli von Zerka eröffnet wurde.
|:
:|
Elke Jonigkeit ist Filmemacherin, Gründerin und Geschäftsführerin ihrer Firma Circe-Film-GmbH und die Initiatorin von NAZO. Sie ist die Vorsitzende von NAZO Deutschland – Hilfe für afghanische Frauen e.V. Sie dreht seit 1985 Dokumentarfilme in Afghanistan. Ihr Film "Die Frauen von Kabul - Sterne am verbrannten Himmel" (2002) brachte sie dazu, gemeinsam mit den Frauen von Kabul NAZO zu gründen.
Fotos und Eindrücke vom Besuch
|:
(Foto: © C.C.Amsuess)
Bei der Pressekonferenz: Nurullah Ebrahimy (unser Dolmetscher), Parwin Dost und Zerka Malyar (v.r.n.l.)
|:
(Foto: © C.C.Amsuess)
Bei der Pressekonferenz: Elke Jonigkeit und Zakia Haideri (v.r.n.l.)
|:
(Foto: © C.C.Amsuess)
Unsere Gäste im Gespräch mit Barbara Prammer, 2. Nationalratspräsidentin (Bildmitte), die sich über den aktuellen Stand der Frauenrechte in Afghanistan informierte.
|:
(Foto: © C.C.Amsuess)
Unsere Gäste vor dem Parlament mit Gabi Frimberger, Obfrau proFRAU (Bildmitte).
|:
(Foto: © C.C.Amsuess)
Beim Stadtrundgang: Parwin Dost und Zakia Haideri (v.r.n.l.) über den Dächern von Wien.
Danke an die KooperationspartnerInnen{ZITAT}
{ZITATENDE} Links zu weiteren InfosMehr Informationen zu unseren Gästen gibt es auf [>www.circe-film.de], [>www.nazo-support.org] und [>www.guraf.net] {NAVIGATION} |
|
|